Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lehrerseminare in Galizien - Tumult gegen die Juden in Prag
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 4)
- Language
- German
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Wolf: Lehrerseminare in Galizien. — Tumult gegen die Juden in Prag. 149 Wesen eingenommen und soll die Hirsch'sche Stiftung diesem Uebelstande abhelfen. Homberg ging von Trieft nach Lemberg, um dort die neuen Verhältnisse ins Leben zu rufen. Da es an jüdischen Lehrern mangelte, so ist es begreiflich, daß er die Errichtung eines Seminars für jüdische Schullehrer befürwortete. Wir führen zur Ergänzung des Planes, den wir S. 30, Bd. V, H. 1 skizzirt haben, Folgendes an. Es sollten drei Personen bestellt werden: ein Lehrer, ein Ausseher und ein Aufwärter. Ein Zimmer sollte zum Unterricht und eines für den Aufseher gemiethet werden; jedem Zögling aber wären jährlich 12 fl. Scklafgeld zu bewilligen, weil das Zusammenleben mehrerer jungen Leute in einem Zimmer der Gesundheit und den Sitten nachtheilig sei, und könnte er (Homberg) nur dann für das Zusammenwohnen der Zöglinge sein, wenn in Lemberg für die jüdische Schule ein Haus gebaut oder dauernd gemiethet würde, in welchem der Oberaufseher und die Lehrer unentgeltlich wohnen. Zur Erhaltung des Seminars schlug Homberg folgende Mittel vor: 1) Den fünften Steuergulden. 2) Die Thora Minjantaxe. Nach dem Landesgesetze werden jährlich 5V sl. für das Aufstellen der Thora beim Minjan (Privatgottesdienst) bezahlt. Um diese Taxe zu ersparen, wird zumeist Minjan ohne Aufstellung der Thora gehalten. Es wird daher vorgeschagen, für die Abhaltung des Privatgettesdienstes eine Taxe von nur 25 fl. zu verlangen, die jedes Minjan, mit oder ohne Thora, zu zahlen hätte. Das Erträgniß dieser Steuer würde dann ein größeres sein. Ferner solle eine Steuer auf Vermächtnisse zu Gunsten des Seminars eingeführt werden. Das galizische Gubernium glaubte, daß ein besonderer Aufseher für die Zöglinge, die nicht zusammenwohnen, nicht n'öthig sei. Diese Aufsicht könnte Homberg und der Präparandenlehrer übernehmen. Es werden sichdann die Kosten bloß auf 1624 fl. 40 kr. stellen, die als billig anzusehen seien. Die Oberaussicht der deutschen Schulen in Wien, der die Angelegenheit zur Begutachtung übergeben ward, empfahl, die Präparanden von Zeit;u Zeit in die Schulen zu führen, um dort zu hospitiren und zu sehen, in welcher Weise der Unterricht zu ertheilen sei. Versuche im Unterweisen von Seite der Zöglinge sollen in den ordentlichen Lehrstunden unterbleiben und sind erst im 3. oder 4. Ems mit Kindern, die zu diesem Zwecke bestellt werden, vorzunehmen. Der Unterrichtsplan wurde von Seite der Oberaufsicht der deutschen Schulen als angemessen befunden. 10*