Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lehrerseminare in Galizien - Tumult gegen die Juden in Prag
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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Wolf: Lehrerseminare in Galizien. — Tumult gegen die Juden in Prag. 147 Staatsrates, die bisher hinter Schloß und Riegel gehalten wurden, zugänglich gemacht worden, und da fand ich Weiteres darüber. Was den Borschlag in Betreff der Errichtung von Lehrerseminaren betrifft, so dürste es nicht ohne Interesse sein, wenn wir mittheilen, wie die Unterrichtsangelegenheiten der israelitischen Jugend in Lemberg im Jahre 1781 bestellt waren. Wir setzen nämlich hierher die Fragen, die von Seite der Studienhofcemmission gestellt wurden, und wie die Antworten lauteten: 1. In welchem Stande befinden sich die Schulen? Antwort: Öffentliche Schulen giebt es nicht, wohl aber 52 Privatschulen und ebenso viele Lehrer, die unter Aufsicht des Rabbiners stehen. Die verm'öglichen Eltern wählen sich die Lehrer gegen einen halbjährigen Accord, welche ihre Kinder sowohl in der Religion, wie in den höheren jüdischen Wissenschaften Unterricht ertheilen. Für arme Kinder und Waisen nimmt die Talmud-Thora-Bruderschaft die Lehrer auf und steuert die nötigen Kosten bei. 2. Was und in welcher Sprache wird gelehrt? Antwort. In der ersten Clasfe wird das Alphabet, dann das täglich notwendige Gebet und etwas Lesen in der Bibel gelehrt. Kinder von 4—7 Jahren besuchen diese Clasfe. Die Lehrer heißen: Dardeke Melamed. — In der zweiten Clasfe lernt die Jugend die ganze Bibel nebst der Auslegung derselben, ferner die Anfangsgründe des Talmud rechtschaffen lesen und schreiben. Diese Clasfe wird von Kindern im Alter von 7—10 Jahren besucht. Die Lehrer heißeu: Chummesch Melamed. — In der dritten Clasfe für Schüler im Alter von 10—13 Jahren wird die Rechtschreibung (?), dann der ganze Talmud nebst der Auslegung gelehrt. Die Lehrer heißen: Gemoro Melamed. Knaben, die für diese Classe nicht sähig sind, erlernen eine Profession oder die Handlung. Auch fiir die armen Schüler dieser Classe bezahlt die Talmud-Thora. — In der vierten und letzten Classe werden die Jura, die Civil- und Neligionsgrundsätze zur Bildung der Rabbiner und Schriftgelehrten vorgetragen. Hier werden Jünglinge und erwachsene Personen von 19 bis etliche und 20 Jahren angenommen und zur Erlernung der höchsten Wissenschaften zugelassen. Arme Schiller, wenn sie Talent haben, werden entweder unentgeltlich unterrichtet oder reiche Leute zahlen für sie. Die Lehrer dieser Classe heißen: Halacha Taussafoth oder Possellehrer. In allen diesen Clasfen wird der Unterricht in der hebräischen Sprache (soll wohl heißen im jüdischen Jargon) ertheilt. 3. Welcher Unterhalt ist bestimmt und wird verwendet? Antwort. Es besteht kein Fond zur Dotirung der Lehrer. Ein Lehrer der ersten Classe unterrichtet mit 3—4 BeHelfern 30—40 Kinder Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!, V. 10