Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Lehrerseminare in Galizien - Tumult gegen die Juden in Prag
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259319-2259322-2265008--1992-2265080- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 Wolf: Lehrerseminarein Galizien.— Tumult gegen die Juden in Prag. Lehrerseminare in Galyien. — Tumult gegen die Juden in Prag. Von G. Wolf. In dem Artikel: „Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich" (Zeitschr. f. d. Gesch. d. I. in D. Bd. V) gedachte ich S. 30 des Vorschlages, den Herz Homberg im Jahre 1792 in Betreff der Begründung von Lehrerseminaren machte. Ferner führte ich ein weitläufiges Memoire desselben über die Verhältnisse der Juden vom Jahre 1794 an ^). Ich bin nun in der Lage, Näheres über die bezeichneten Momente mitzutheilen. Es sind mir nämlich in jüngster Zeit die Acten des ehemaligen Im Jahre 1796 bat Homberg um Erhöhung seines Gehaltes. Er bezog nämlich einen jährlichen Gehalt von 1000 fl., einen Quartierbeitrag von 139 fl. 30 kr. und für die Censur hebräischer Schriften erhielt er eine Belohnung von jährlich 100 fl. Er begründete seine Bitte in folgender Weise: 1) Habe sich der Kaiser, als er die deutsch-jüdische Hauptschule zu Lemberg besuchte, lobend geäußert; 2) bemühete er (Homberg) sich, das von ihm verfaßte deutsche und hebräische Lehrbuch in die jüdischen Religionsschulen einzuführen (wahrscheinlich ist Jmre Schefer gemeint, das jedoch erst 1802 gedruckt wurde), und 3) sei er mit einer Frau und vier Kindern „beladen". Das Gubernium sprach sich gegen eine Gehaltserhöhung aus, da der christliche Oberaufseher der deutschen Schulen in den Provinzen einen jährlichen Gehalt von circa 800 fl. bezieht. Die Staatsräthe: Eger, Jzdenczy und Reischach schlössen sich dieser Ansicht an. Zinzendorf meinte, „da sich Homberg unter seiner ganzen Nation in allen k. k. Erblanden auszeichnet, so scheint er einer Aufmunterung nicht unwürdig. Man möge ihm daher den Quartierbeitrag aus 150 fl. erhöhen". Der Staatskanzler Graf Kollowrat schrieb: „Dieser jüdische Schulenoberaufseher Homberg hat wirkliche Verdienste und giebt sich alle mögliche Mühe, die jüdische Nation besser zu bilden. Die angetragene Quartiergelderhöhung betrage jedoch nur 10 fl. 30 kr. Es würde daher für ihn tröstlicher sein, ihn auf bessere Zeiten anzuweisen und ihn dahin zu bescheiden, daß er, Bittsteller, sich bei eintretenden günstigen Zeitumständen wegen Vermehrung des Gehaltes wieder melden könne". In diesem Sinne entschied der Kaiser 3. November 1796.