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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 134

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland
Date
1892-01-01
Page
Seite 134 (sequence 9)
Language
German
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134 Silberstein: Wolf Breidenbach und die Aushebung des Leibzolls. leicht empfinden würden, so würden doch die wohlthätigen, heilsamen Folgen ihrer Abschaffung keineswegs ausbleiben. Schon in wenigen Jahren werde das Opfer, das Vernunft und Herz in diesem Augenblicke auf den Altar der Menschheit niederzulegen gebieten, völlig ersetzt sein. Deutschlands Regierungen würden durch die Aufhebung des Leibzolls nur einen kleinen Anfang machen, auch in dem Juden den Menschen zu ehren und ihn aus dem Sumpfe emporsteigen zu lassen, in den er mit dem Thiere zugleich hinabgestoßen worden ist. Was die Abgabe an sich betreffe, so werde durch dieselbe nicht eigentlich der reiche Jude berührt, der ja durch Korrespondenz mit seinen Handelsfreunden oder auch mittelst Fuhrwerks sein Geschäft betreibe, sondern sie ruhe fast ausschließlich aus der ärmsten Klasse der jüdischen Glaubensgenossenschaft. Diese Abgabe laste auf dem Unbemittelten geradezu so schwer, daß sie ihn hindert, sein ihm obliegendes Schutzgeld, sowie sonstige Prästanda zu leisten. — Indessen würde auf Tausenden von Wegen das dem Staate durch die Aufhebung des Leibzolls Entgehende zu den Staatskassen zurückfließen, da hierdurch die Leistungsfähigkeit des Einzelnen unzweifelhaft erhöht werde. So liege in der Abschaffung des Leibzolls allein schon das Surrogat, der Ersatz. Denn wohl könne der Cameralist, als solcher, eine Revenüe einbüßen, die der politische Finanzminister allein in der Abschaffung wieder finden wird. Das Surrogat von den Juden zu fordern, wovon die Rede war, würde, meint Breidenbach, auf eine bloße Namensänderung hinauslaufen und könne daher auch von den beklagenswerten Folgen des Judenleibzolls keine einzige verschwinden lassen. Könne man doch auch den inländischen Juden nicht zumuthen, den Zoll, den ihre ausländischen Glaubensgenessen zu erlegen hätten, ihrerseits zu ersetzen. Uebrigens warnt Breidenbach auf's Eindringlichste, den Berkehr zu belasten; denn allein nur der freie, ungehemmte, ungehinderte Verkehr belebe den Handel. (Breidenbach stellt sich somit als einen entschiedenen Anhänger des Freihandelssystems dar.) Unser Breidenbach theilt nun aber auch in seiner bogenreichen Eingabe Erfahrungen mit, die er aus eigener Anschauung gewonnen hat. Er erzählt u. A., wie ein armer Jude, Vater von sechs Kindern, der auf den kümmerlichen Erwerb aus dem Vertriebe alter Kleider angewiesen war, ihm allein Zollzettel im Betrage von fünf Gulden sechs Kreuzer, die er im Laufe von sechs Tagen gelöst, vergezeigt habe. Trotzdem sich der Arme nur mit Brod und Wasser begnügt habe, kennte er für den Unterhalt seiner Familie nichts mitbringen, ja er mußte noch zwei Thaler Schulden machen. — Breidenbach erzählt von einem betagten jüdischen Botengänger, der, wenn er in seinem Berufe nur eine Stunde Weges machen will, fremdes Gebiet,

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