Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland
Date
1892-01-01
Page
Seite 135 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2259275-2259319-2259322-2265007--1980-2265069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Silberstein: Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls. 135 ja verschiedene Zollstätten berühren muß. Der Arme muß sein Geschäft aufgeben, da der Aufwand an Leibzoll ihn als Boten unmöglich macht, seine Erwerbsquelle ist versiegt. Und dazu gesellt sich noch die zuweilen unerhörte Härte und Grausamkeit der o5t unmenschlichen Zollerheber und sonstigen Beamten. Breidenbach erzählt, wie er bei Hochheim vor zwei Jahren einen bitterlich weinenden Greis gefunden habe, seines Hutes beraubt und die Stirn blutbefleckt, neben ihm lag ein zerbrochener Topf. Der bemitleidenswerte Mann war aus einem bei Höchst am Main gelegenen Dorfe, er hatte, wie er unter Thränen erzählte, fünf Kinder zu ernähren. Mit einem Topfe Honig ging er nach dem nahe gelegenen Mainz, um denselben auf das jüdische Reujahr an wohlhabende und mildherzige Juden zu vertheileu und sich dadurch Anspruch auf eine Unterstützung zu erwerben. In Hattersheim und Hochheim, wo er den Leibzoll hätte erlegen sollen, fehlte es ihm hierzu an Geld. Cr kam nun zwar an den Zollstätten vorüber, aber er wurde auf dem Wege von zwei Bauern angefallen, von ihnen aufs Schwerste mißhandelt und trotz seiner Betheuerung, daß er den Zollzettel aus Mangel an Geld nicht lösen könne, unter dem Verwände, daß sie Anspruch auf Fanggebühr haben, seiner geringen Baarschaft beraubt- Selbst den Honig nahmen ihm die Unholde ab und ließen ihn hilflos neben seinem zerbrochenen Topfe liegen. — Ein durch den Bettel sich nährender Jude wurde von einem Husaren nahe am Thore von Frankfurt als Zellübertreter durch Hiebe mit dem flachen Säbel mißhandelt, er nahm ihm obendrein den Bettelsack ab und ritt davon. Wie grell beleuchten diese Thatsachen in ihrer schlichten, einfachen Darstellung die unglückliche Lage der Juden. Obgleich nun aber die beredten Darlegungen Breidenbachs nicht nur vom echt menschlichen, sondern nicht minder auch vom nationalökonomischen Standpunkte aus für die vollständige Aufhebung des Judenleibzolls unwiderleglich sprachen, so vermochten sich doch die Nassauischen Regierungen nicht zu einer solchen Maaßnahme zu entschließen, wenigstens nicht, wenn nicht die Staatskassen einen hinlänglichen Ersatz für diesen Ausfall erhielten. Der unermüdliche Breidenbach wandte sich daher wiederholt in einer Eingabe an den Fürsten von Nassau-Usingen, dessen Residenz Wiesbaden war, die wir hier wörtlich mittheilen wollen. Sie ist datirt vom 9. Februar 1805 und lautet: ^OureklauelitiAZter ^ürst, (^nä^iZster ^ürst uuä Herr! Rv?. Hoekfürstlieken Oureklauelit ^irä oline Zweifel uoeti im Kvääi^sten ^näeuken riiken, ^vas iek in LetreK' äsr ^ukkedunA äes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.