Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus Straßburger Judenacten
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Breßlau: Aus Straßburger Iudenakten. darum sind wir in dem Netz verstrickt und darüber sind wir unglücklich und betrübt. Und was hat uns der Mann angethan! Er wohnte unter uns, war wie einer von uns, in Handel und Wandel und im Tragen der Staatslast, in Freude und in Leid. Als wir nun in Ruhe und Frieden lebten, faßten wir den Entschluß, eine Synagoge zu bauen und ein Hekdesch zu erwerben. Wir thaten uns zusammen und machten uns in aller Form verbindlich, drei Jahre hintereinander die Hälfte des Zehntens her zu geben und allmonatlich in einer Büchse durch Schatzmeister einkassiren zu lassen, so wie das in einer von Rabbi Jäklin aus Eger aufgenommenen Urkunde niedergelegt ist. Kaum war ein Jahr voll zu Ende gegangen, so gab jener uns keinen Pfennig mehr, weder für die Schatzmeister noch auch für seine anderen schuldigen Abgaben, wies die, welche sie einzutreiben hatten, barsch zurück, „sein Thun war im Finstern" „Der Mensch sieht den Menschen, Gott aberzc."-). Plötzlich hieß es, der Mann ist geflohen mit all dem Hab und Gut, das er aus dem Lande (als Pfand) hatte. Da gab es ein Jammern in der Stadt, man murrte und war gegen uns aufgebracht. Die Gläubiger aus dem Lande, deren Besitz er mitgenommen, sagten: der Jude hat nicht Treu und Glauben u. s. w., schimpften und schmähten und wir schwebten damals in großer Gefahr, von feiten des Fürsten 2) und der Gläubiger. Manche von uns waren Theilhaber bei seinen Leihgeschäften, er aber hatte alle jene Pfänder mit sich genommen, und wir hatten denen, die uns schmähten, nichts entgegen halten können. Drei Wochen war der Mann unsern Augen entrückt, bis wir in Erfahrung brachten, er sei in Pappenheim. Wir machten unsern christlichen Mitbürgern sofort davon Mittheilung und schickten gleich unsern Widersachers zu Rabbi Mänlin ^) mit unserer Vollmacht (unter Angabe all' der) Noth und unermeßlichen Verluste, die uns durch ihn entstanden, aber unsere Verluste und unsere Forderungen konnte Rabbi Mänlin nicht ersetzen, denn an jenem Orte war die Gerichtsbarkeit in ihrer (der Christen) GewaltDarum legten wir die Hand auf den Mund, da uns alles entgeht: 1. er bezahlte 1) Ies. 29, 15. 2) Citat aus? Manches in der Urkunde erinnert an?Hutim. 2) 1^ „Feind" absichtlichtlich statt „Fürst" geschrieben. i) Ich vermuthe, es ist 12"!^ für zu lesen, allerdings ein ungewöhnliches Wort für „Boten". 5) ^Das ist offenbar jener R. Mänlin oder Mendel von Pappenheim, von dem ich in einem früheren Aussatz in dieser Zeitschr. III, 330 ff. gehandelt habe. 1382 lebt er in Rothenburg; 1385 ist er von dort nach Zürch ausgewandert. H. Breßlau^. «) In freier Übersetzung. Vgl. Ps. 125, 3 u. Ez. 21, 10.