Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Eduard Gans' Frühzeit
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Ed. Gans' Frühzeit. 95 Interesses und eines wahrscheinlichen Gegenanspruchs mit sich führten. Daß sich nun Leute verstanden haben 200 Thaler solcher Pfandbriefe für 100 Thaler Moltkescher Obligationen in den Kauf zu geben, daß sie von sicheren rechtmäßigen Hhpothecen das Doppelte Hingaben, um das Einfache von unsicheren willkührlichen zu erhalten, das hat unser Einsender mit dem Namen Wucher belegt. Der unnütze Scribler wende mir hierauf nicht etwa ein die Pfandbriefe hatten nur den Ceurs von 25 "/> gehabt, denn er kann sich sogleich auf die Gegenfrage gefaßt machen: welchen Cours denn die Moltkeschen Obligationen gehabt hatten? Etwa den vollen? oder vielmehr gar keinen? oder sollte nicht vielleicht der Wucher aus der anderen Seite gewesen seyn? da etwas Ungewisses schwankendes nicht Umsetzbares für das doppelte einer andern Sache gegeben wurde, die in sich begründet sicher, leicht verkäuflich war, und bei dem geringsten günstigen Anlaß ohnfehlbar bedeutend steigen mußte. Dennoch wagten viele diesen Umtausch und machten wie ich glaube schon damals eine höchst dumme Speculation. Von der Sache komme ich zu unserm Einsender zurück, um ihm vor allen Dingen zu rathen ja noch recht fleißig in die Schule zu gehen, die Feder erst recht führen zu lernen, ehe er sich ans Scribler-Amt mache. Um ihn recht in die Klemme zu führen, will ich ihm melden, daß er sich auf 2 armseligen Blättern 4 mal widersprochen hat. Bald soll der Banquier Gans Herbeischaffer, also Vermittler, bald Wucherer selbst gewesen seyn, es scheint, er konnte in seiner Schwachsinnigkeit nicht recht darüber mit sich selbst einig werden ob dem Mediator oder dem Kontrahenten beh einem wucherlichen Geschäfte die Schuld zukomme, oder er hatte Furcht, es möchten unter den Kontrahenten Christen gewesen seyn (wie denn auch wahr): und er wollte ja nur Wucher mit Juden in Vereinbarung bringen. Zweitens sagt er die Obligationen hatten ihren vollen Werth und sehen zu 50 Procent erwuchert worden: Zugleich lebt er aber doch der festen Ueberzeugung die hohe Bundesversammlung würde sich für die ersten Gläubiger erklären und auf die Obligationen keine Rücksicht nehmen. Also haben diese wiederum nach seiner Meinung nicht den geringsten Werth und es möchte nach seinem eigenen Jdeengang ein ungeheurer Wucher gewesen sehn für ein leeren Wisch Geldeswerth genommen zu haben. Oder glaubt der H. Einsender etwa seiner feinen Nase wäre hier das xunetnm saliens: nur er in seiner Ueberzeugung hätte gewußt die Obligationen sehen keinen Pfifferling Werth, die Kontrahenten aber hätten gewiß sicherlich geglaubt etwas recht volles zu erstehen. Da wäre denn der H. Einsender (woran der arme Schelm wohl nie gedacht haben mag) wider Willen Schöpfer einer neuen Theorie geworden des Wuchers aus Meinungen: beide angezeigte Schriften über diesen