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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 90

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Aus Briefen Dohms an Nicolai
Date
1892-01-01
Page
Seite 90 (sequence 16)
Language
German
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90 Neue Mittheilungen. drücklich S. 147 gesagt, „daß für jüdisches Geld gemiethete Soldaten nicht denen für ihren eigenen Boden streitenden ^) ganz gleich zu setzen wären". Diese wichtigsten Einwürfe des Verf.'s treffen also meine Vorschläge gar nicht. Wenn es Staaten giebt, wo die Juden ein glücklicheres Schicksal haben, als die Christen, so bedaure ich sie so sehr oder noch mehr, als jene wo es den Hebräern übel geht. Ob es solche Staaten gebe, weiß ich nicht; wenigstens habe ich noch nie einen Christen gesehen, der die Vorrechte der Juden beneidet hätte. Es versteht sich, daß ich hier vom Allgemeinen rede, nicht von einzelnen durch Handelsbegünstigungen und Monopole begünstigten Juden. Ich habe mich gegen dieselben ausdrücklich S. 116 erklärt. Nach meinen politischen Grundsätzen sind bleibende Einschränkungen aller Bürger zum Vortheil eines Einzigen immer schädlich; der Begünstigte mag getauft oder beschnitten sein. Auf die Nachschrift weiß ich zu dem, was ich in meinem Buche über die Fähigkeit der Juden zu öffentlichen Aemtern und einige Modifikationen ihrer Zulassung schon gesagt habe, nichts zuzusetzen. Ueberhaupt dünkt mich, sollte bei einem Mann, dem der Staat einen Dienst anvertrauen will, nie von etwas anderm, als seiner Fähigkeit und Rechtschasfenheit die Frage fein. Auf welchem Wege sein geschickter und treuer Bedienter in den Himmel zu kommen hofft und welche Begriffe er sich von diesem Himmel bilde, muß dem Staat ganz gleichgiltig sein. Daß die Juden, als sie noch selbst einen Staat hatten, nach der Sitte barbarischer Völker des Alterthums, sehr unpolitisch und unmenschlich gegen andre Nationen gehandelt haben, gebe ich zu. Aber folgt daraus, daß wir Europäer des 18. Jahrhunderts einen Theil unserer Mitmenschen (denn ich sehe nicht, warum man die heutigen in Europa lebenden Juden nicht für Europäer halten will?) drücken sollen, weil ihre Vorfahren vor einigen Jahrtausenden Midianiter und Kananiter gedrückt haben. Wäre es der Menschlichkeit unsres aufgeklärten Jahrhunderts würdig, sein Muster bei einem rohen Volke des Alterthums zu suchen? Und besonders, wäre es weise Politik, solch ein unpolitisches Muster nachzuahmen? Nicht Christenthum, nicht Menschlichkeit allein, sondern der Bortheil der Staaten fordert ») Anm. Schlözers: „Dies verstehe ich, der Herausgeber, nicht. Wo giebts denn heut zu Tage in der Christenheit Soldaten, die für ihren eigenen Boden streiten? Unsre Soldaten haben gewöhnlich gar keinen eigenen Boden und diejenigen, die sie bezahlen, behalten ihren eigenen Boden, der Krieg mag gehen, wie er will; nur ein andrer Oberherr des Bodens wird, woran gewöhnlich dem Besitzer des Bodens wenig oder nichts gelegen ist".

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