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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 89

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Aus Briefen Dohms an Nicolai
Date
1892-01-01
Page
Seite 89 (sequence 15)
Language
German
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Alls Briefen Dohms an Nicolai. 89 schieden sein mußten, habe ich vorausgesehen. — Ich gehe nun zur Beantwortung der Fragen über. Auf Frage 1. Nach allen 3 Arten, durch Pacht, Ankauf, Urbarmachung, müßte der Jude ein Landbesitzer und Bauer werden können. Daß ich hierbei nichts Unschickliches und Vortheilhaftes für den Staat sehe, zeigt mein Buch, worauf ich mich beziehen muß, weil der Hr. Verf. die Gründe, warum er andrnr Meinung ist, nicht angegeben hat. Auf Frage 2. Die Juden müssen sehen, wie sie es mit Vorspann und Frohndiensten am Sabbath einrichten. Vielleicht werden sie sich mit ihren christlichen Nachbarn deshalb vergleichen und dieser Arbeiten am Sonntage dagegen übernehmen? Vielleicht werden sie von ihren Rabbinern Dispensationen erhalten? u. s. w. Alle diese Vielleicht kümmern den Staat nicht, er verlangt die Pflichten, die auf einem Gute hasten, von dem, der es besitzt; unbekümmert wie dieser ihre Leistung mit seinen religiösen Meinungen in Verbindung bringen werde. Die Menschen haben noch immer Mittel gefunden, ihre heiligen Lehren mit der Sorge für ihren zeitlichen Vortheil zu vereinigen, aber bei mehreren gegen meine Schrift gemachten Einwürfen liegt der Gedanke zum Grunde „die Juden würden in Ewigkeit eben die Juden bleiben, die sie izt sind, man behandle sie, wie man wolle". Aber dies scheint mir ganz wider die menschliche Natur. Nur die Barbarei, womit man die Juden Jahrhunderte lang unterdrückt und sie auf die Beschäftigung des Handels (und meistens des Kleinhandels) allein eingeschränkt, hat sie als Menschen und Bürger so herabgewürdigt, wie sie izt sind, aber sicher werden sie sich bessern, wenn wir uns gegen sie bessern. Auf den übrigen Theil der Frage 2 und auf die Fragen 3—6 darf ich nicht antworten, weil ich hierin mit dem Hr. Verf. völlig gleich denke. Ich habe in meinem Buche bestimmt genug ausgedrückt (besonders S. 137) daß „sowie für Memonisten und Quäker, auch für Juden, Einschränkungen nöthig sein werden, so lange sie sich zu Kriegsdiensten nicht willig und fähig erprobt haben". Nur glaube ich, daß ihnen dieselben durch ihr Gesetz nicht verboten sind, und das unmittelbar nach dem Abdruck meines Buchs erfolgte Beispiel in Holland (wo die Juden mit Erlaubniß und dem Segen des Oberrabbi in Amsterdam, gegen die Engländer auf der Flotte und mit der ausdrücklichen Erklärung, auch am Sabbathe zu fechten, Dienste genommen haben) bestätigt meine Meinung. Bis aber dieses in jedem Stande ausgemacht ist, bin ich der Meinung des Verf., daß die Juden nicht völlig gleiche Rechte mit den Bürgern, die fürs Vaterland kämpfen und sterben, erhalten können, obgleich immer auch dann noch weit mehrere, als ihnen bisher bewilligt sind. Auch habe ich schon, wie der Verf. aus-

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