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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 83

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Aus Briefen Dohms an Nicolai
Date
1892-01-01
Page
Seite 83 (sequence 9)
Language
German
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Aus Briefen Dohms an Nicolai. 83 Theils^) giebt zunächst einen Auszug aus Dohms Schrift, meint aber dann, „daß den Vorschlägen des Herrn Verfassers und deren gänzlicher Ausführung, wenigstens nach dermaliger Lage der Staaten und insbesondere der deutschen, große Schwierigkeiten entgegenstehen, die wohl verdienen, erwogen zu werden, um auf Mittel zu sinnen, ihnen womöglich abzuhelfen". Der Recensent setzt auseinander, daß die Juden zum Handwerk, Ackerbau, Kriegsdienst ungeeignet seien, daß ihnen, namentlich in Bezug auf das erste, Vorurtheile der Christen, körperliche Schwäche, religiöse Bedenklichkeiten entgegenstehen. Er verlangt von den Juden, daß sie sich zunächst in Sitte, Cultur den Christen nähern sollen. Besonders wirft er die Frage auf: „Was ist mit den armen zum Almosensammeln von Land zu Land herumziehenden Juden anzufangen?" und schlägt vor, daß man denselben statt Almosen Arbeit geben solle. Die Besprechung ist nicht eben judenfeindlich, bewies aber, daß der Recensent sich auf Dohms Standpunkt nicht zu erheben vermochte. Uebrigens ist die Klockenbringksche Recension, so unbedeutend sie an sich ist, in literarischer Beziehung nicht uninteressant. Man stellt sich gemeinhin Nicolai als literarischen Dictator vor, der selbstherrlich die Tendenz seiner Zeitschrist bestimmte, und keine andere Meinungen, als die von ihm gehegten und geduldeten zum Ausdruck trage. Aus unserm Beispiele ersieht man, daß dem doch nicht ganz so war. Er nahm vielmehr auch Besprechungen auf, die seinen Ansichten zuwiderliefen. Der hervorgehobene Fall ist um so merkwürdiger, als es sich in demselben um ein eigenes Verlagswerk Nicolais handelt; die Selbständigkeit, die er dem Kritiker gewährt, erscheint dadurch nur um so rühmlicher. Dohm sprach von dieser Klockenbringkschen Recension öffentlich etwas anders, als in vertrauten Briefen. Im zweiten Theile seiner Schrift (S. 18) bemerkt er: „Letztern (den RecensenLen der A. D. B.) bezeichnen seine Bemerkungen als einen Mann von vieler praktischen Geschäftskenntniß, die Recension des Dohm'schen Buches, A. d. B. Bd. 50, 1. Stück, S. 301—311, die gewiß von K. ist, gehört in keines der genannten Fächer und ist mit keinem der an» gegebenen Zeichen, sondern mit Nmk. unterschrieben. Merkwürdigerweise fehlt letzteres Zeichen in dem Verzeichniß S. 46. 47, wo es eigentlich hätte erwähnt und aufgelöst «erden sollen. ') Wenige Bände früher, Bd. 45, St. 2, S. 609—611 brachte die Allg. d. Bibl. (unterzeichnet Bb-Hopfner in Darmstadt) die Besprechung einer seltsamen Judenbrochüre „Versuch über die Frage, ob die Juden zu einer Reichsschlußmäßigen Toleranz unter gewissen Bedingnissen gelangen könnten". Verf. war Lud. Edler von Winkelmann, Cöln- und Aachischer Comitialgesandter, der seine den Juden nicht ungünstige Schrift dazu benutzt zu haben scheint, sich von den einzelnen jüdischen Gemeinden Geld geben zu lassen.

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