Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Briefen Dohms an Nicolai
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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76 Neue Mittheilungen. fragt, ob er die Censur übernehmen wolle, da die Schrift gleichsam die Grenzen zwischen Theologie und Politik berührt und allenfalls, wenn der Censor der letzteren seine Ansprüche geltend machen wollte, man leicht entschuldigen konnte, daß man die Juden vor das theologische Forum geführt habe. Wenn Sie also nichts dawider haben, so kann die Schrift hier gedruckt und von Herrn Teller censirt werden und ich erbitte mir hierüber Ihre gefällige Erklärung". Nicolai erhob wohl keinen Widerspruch — die Briefe Nicolais fehlen ^) — die Schrift wurde demgemäß in Berlin gedruckt. Der Druck muß lange gedauert haben. Denn wenn auch die Vorerinnerung das Datum vom 3. Aug. 1781 trägt, so schreibt Dohm noch am 9. Jan. 1782 so, daß man annehmen muß, die Schrift sei noch nicht oder eben erst ausgegeben. Er bemerkt nämlich: „Da Sie durchaus wollen, daß ich bei der Apologie der Beschnittenen Sie nicht als Freund nnd als den, ohne dessen Veranlassung das Werkchen nicht existiren würde, betrachten soll, so will ich denn dem Verleger sagen, daß ich 1 Dukaten pro Bogen für das Honorarium halte, das ich allenfalls noch annehmen kann und daß ich von Ihrem Verlage mir Abbts Schriften 4., 5. 6. Theil, Abbts Ehrengedächtniß, Moses' Phaedon, Wieglebs Handbuch der Chemie wohl Ihrer Erlaubniß gemäß ausbitten möchte". Eine Stelle in dem eben mitgetheilten Briefe verdiente einen Commentar, den ich jedoch nicht zu geben vermag. Gewöhnlich gilt Mendelssohn als der Anreger, die Elsässer Juden, besonders deren Sprecher Cerf Beer, als die eigentlichen Veranlasser der Dohmschen Schrift. Nach unserm Briefe scheint es, als wenn auch Nicolai seine Hand im Spiele gehabt hätte. Sind die Werke „ohne dessen Veranlassung das Werkchen nicht existiren würde, keine bloße Höslichkeitsphrase, was bei der ernsten, von unwahren Cemplimenten freien Sprache Dohms kaum anzunehmen ist, so beweisen sie, daß Nicolai zum Mindesten Dohm ermunterte oder geradezu zur Abfassung anregte. Dem vorutheilslosen, wirklich aufgeklärten Geiste Nicolais würde eine derartige Thätigkeit wohl entsprechen. Noch mehr der Erklärung bedarf folgende Briefstelle (15. Febr. 1782).^) 1) Da unser Brief nur in Abschrist vorliegt, so wissen wir nicht, ob N. auf das Original, wie er Pflegte, eine die Antwort kurz andeutende Randbemerkung machte. 2) Der Kürze halber verweise ich auf Graetz, Geschichte XI, S. 66 sg. 3) Freilich muß bemerkt werden, daß der Brief keine Jahreszahl, sondern nur das Datum 15. Februar hat. Aber da der Brief in die des Jahres 1782 eingeordnet ist und auch sonst in dieses Jahr paßt, so kann gegen die Zuweisung in das genannte Jahr kein Bedenken sein.