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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 50

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
Date
1892-01-01
Page
Seite 50 (sequence 24)
Language
German
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5V Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. Wir müssen hier für einen Moment der Verhältnisse in Ungarn gedenken. Wie bekannt hat der Feldzeugmeister Hahnau, Civil- und Militärgouverneur in Ungarn (man nannte ihn die Hyäne von Brescia, weil er in unmenschlicher Weise gegen die Einwohner von Brescia verfuhr. Feldmarschall Radetzktz hieß ihn „das Rasirmesser") den Juden in Ungarn, weil sie es mit den Revolutionären hielten, eine Strafcontribution im Betrage von einer Million Gulden aufgelegt. Nachdem die Gemüther sich beruhigt hatten, fragte es sich was mit diesem Gelde geschehen solle, und der Kaiser beschloß am 29. März 1856, daß ein Theil dieser Summe zur Errichtung eines Rabbinatsinftituts verwendet werde. Eigenthümlich genug wehrten sich zahlreiche Rabbiner in Ungarn gegen die Errichtung eines Rabbinatsinstitutes (das Wort Seminar war ihnen überhaupt ein Greuel). Sie besorgten nämlich, daß etwa noch andere Gegenstände außer dem Talmud in dieser Schule gelehrt werden könnten und das, meinten sie, würde zum Abfalle vom Judenthum führen. Sie verschrieen deshalb das Convict zu Padua, in welchem Samuel David Luzzato und Lelio Tellatorre wirkten, und das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau, welches 1853 ins Leben trat, und an dessen Spitze damals Zacharias Frankel stand, als „neologisch"; sie wollten nur eine „Jeschiba" nach altem Schlage. Im Jahre 1855 suchte vr. Israel Hildesheim, damals Rabbiner in Eisenstadt in Ungarn, jetzt in Berlin, dem Bedürfnisse abzuhelfen. Er legte einen Plan vor, nach welchem die Schüler 29 Stunden in der Woche theologischen Studien obliegen sollten, zudem aber sollten sie die auf 8 Jahre bemessenen Gymnasialstudien in 4 Jahren absolviren. Die Schüler der verschiedenen Classen sollten gemeinsam unterwiesen werden und wollte vr. Hildesheim selbst wöchentlich 54 Stunden in den verschiedensten Lehrfächern Unterricht ertheilen u. s. w. Dieser Plan wurde abgewiesen. Hildesheim modificirte hierauf seine Vorschläge, aber auch diese wurden abgelehnt, da sie pädagogischen Anforderungen nicht entsprachen. Im Laufe der Zeit trat dann ein Umschwung der politischen Verhältnisse ein und im Jahre 1877 wurde die Rabbinerschule in Budapest eröffnet, welche allen berechtigten Anforderungen entspricht. Wir kehren nun wieder zu den Verhältnissen, wie sie sich im Verlaufe der Zeit in Oesterreich (Cisleithanien) entwickelten, zurück. Wir hatten Gelegenheit darauf hinzuweisen, daß die Regierung wiederholt auf Grund kaiserlicher Entschließungen verlangte, daß die Rabbiner philosophische Bildung genossen haben sollen. Die Regierung selbst aber drückte nicht nur ein Auge, sondern beide Augen zu. Die Gemeinden jedoch

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