Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 23)
- Language
- German
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Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 49 bildung der künftigen jüdischen Religionslehrer sei. Freiherr v. Helfert war für Prag als Standort. Der Schluß des Votums lautet: „Endlich kann ich mir bei der notorischen Zerfahrenheit der jüdischen Cultuszustände in den verschiedenen Kronländern von einer commissionellen Berathung über die Grundzüge kein Ziel versprechen. Man lege den Paduaer Entwurf zu Grunde, hole darüber die Gutachten dreier vom Ministerium ausgesuchten Sachverständigen ein, arbeite dann selbst aus und befehle — sonst kommt man zu keinem Ziele". Wir glauben die Ansichten über diese Frage, welche im Jahre 1856 im Unterrichtsministerium herrschten, skizziren zu sollen. Allseitig wünschte man, daß eine Lehranstalt für Rabbiner und Religionslehrer errichtet werde, die Kostenfrage spielte keine Rolle, da man die Mittel zur Erhaltung dieser Anstalt hatte. Es bestand nämlich der jüdische Landesmassasond in Mähren, der Landesmassasond in Böhmen, serner der Krupkafond in Galizien ^) (wie wir hinzufügen wollen, haben diese Fonds im Laufe der Zeit andere Verwendung erhalten). Es fragte sich daher bloß, wo der Standort der Anstalt sein solle und ob der Plan für die innere Einrichtung aus der freien Berathung von Fachmännern hervorgehen, oder ob das Ministerium drei Vertrauensmänner zu Rathe ziehen und dann — befehlen solle. Im Laufe der Zeit kam man jedoch ganz von dem Plane ab. Graf Thun hat als Minister für Cultus und Unterricht für das Unterrichtswesen außerordentlich viel geleistet. Er reformirte die Gymnasien und verwandelte die Universitäten, die früher Abrichtungsanstalten waren, in Stätten zur Pflege der Wissenschaften. Graf Thun war aber auch Cultusminister, der bei dem Abschlüsse des Concordates mit dem heiligen Stuhle betheiligt war. Grillparzer charakterisirte ihn in folgendem Epigramm: „Hört Zhr Herren und laßt Euch sagen Der Cultus hat den Unterricht erschlagen". Das Concordat wurde im Jahre 1856 abgeschlossen, und von da ab trübte sich der Blick des Grafen Thun immer mehr. Statt eine Anstalt zur Bildung von Rabbinern ins Leben zu rufen, welche die Wissenschaft des Judenthums fördern sollte, ertheilte er 1859 der Rabbinerschule zu Preßburg, die auch nicht im entferntesten wissenschaftlich angehaucht war, das Recht der Oeffentlichkeit und eine ähnliche Anstalt sollte in Galizien begründet werden. ') Näheres über diese Fonds findet sich in G. Wolf: Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden in Deutsch!. V. 4