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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 48

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
Date
1892-01-01
Page
Seite 48 (sequence 22)
Language
German
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48 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbmerschule in Oesterreich. Rabbinerseminar aus, den er dem Unterrichtsministerium vorlegte. In demselben wurde Prag als Standort des Seminars empfohlen. Brünn sei nicht in Betracht zu ziehen, da die jüdische Gemeinde jung und klein sei. Ueberdies aber befinde sich keine Universität daselbst und fehle auch eine große Bibliothek. In Lemberg sei es noch zu finster und in Pest, das damals zu Oesterreich gezählt wurde, fehle das Zeugniß religiöser Umgebung. Wien zog er gar nicht in Betracht. Im Ministerium waren die Ansichten in Betreff des Standortes der Anstalt getheilt. Der Referent v. Hentl war für Wien und zwar aus folgenden Gründen: W!ien sei der Centralpunkt der Monarchie, und da sich außer Wien in ganz Niederösterreich nur eine einzige neu entstandene israelitische Cultusgemeinde befindet»), so sei Wien auch der neutralste Punkt. In Wien seien alle Erfordernisse in vollem Maße vorhanden, Universität, Bibliothek und sonstige Bildungsmittel jeder Art, Erhaltungsmittel für die Studierenden, ferner eine große Gemeinde, deren öffentliches Cultuswesen sich der allgemeinsten Anerkennung als einer mit Weihe und Anstand ver^ bundenen erfreut. Ob dw Gemeinde in ihrer Totalität als eine ausgeklärte und doch fromme angesehen werden könne, sei schwer zu entscheiden. In ihrem öffentlichen Cultusleben habe sie sich nie Blößen gegeben, welche dazu berechtigen würden, ihr die Grundlage des positiven Judenthums abzusprechen; die Gesinnung einzelner aber könne nicht zum Maßstabe genommen werden und wwd es wohl auch unter der Prager israelitischen Bevölkerung Reformer geben, die weit über das hinausgehen, was den strenggläubigen Juden als Frömmigkeit gilt. Der Unterstaatssecret ar im Unterrichtsministerium Freiherr v. Helfert, Lheilte nicht diese Ansicht. Er erklärte: Ich kann mich durchaus nicht mit der Ansicht befreunden, Toien zum Sitze der Anstalt zu machen. Einmal halte ich es für keinen 3 5ortheil, alles in Aui-Aite vÄ8to der übervölkerten Hauptstadt concentriren z u wollen. Am allerwenigsten scheint mir das verführerische Wien mit sei len tausend Lockungen und Verlockungen der Ort, wo eine Schule für künMge Lehrer und Volksbildner, wenn die Auswahl offen steht, hinverlegt werden sollte. Dazu kommt, daß in religiöser Beziehung der unter dem Neujudenthum herrschende Jndifferentismus, die völlige Irreligiosität jener Leute, die Juden nicht mehr und Christen noch nicht sind; die sich Jude?n nennen, aber ihre eigenen Religionsgebräuche hintansetzen und dafür —- einen Christbaum aufstellen, die Namensfeste der christlichen Patrone seiern nnd dgl. ein gefährliches Element für die Heran- ') So war es zu Anfang der fünfziger Jahre.

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