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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 47

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
Date
1892-01-01
Page
Seite 47 (sequence 21)
Language
German
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Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 47 klärte diesbezüglich 1850, daß die Rabbiner Univerfitätsstudien gemacht haben müssen, mit der Bemerkung: „Wollen die Juden politische Geltung im Staate, so ist ihre Bildung unabweisliches Bedürfniß." Die Frage wegen Bildung der Rabbiner wurde damals aber auch von Seiten der Juden in Erwägung gezogen, und da waren es wieder die Juden in Mähren, welche den Anfang machten. Am 29. Juni 1850 saßte ein Comits, zusammengesetzt aus Delegirten der jüdischen Gemeinden in diesem Kronlande folgende Beschlüsse: 1. Es soll in Brünn eine höhere Bildungsanstalt für die jüdische Religionswissenschaft errichtet werden, um den studirenden Bekennern des jüdischen Glaubens einen entsprechenden wissenschaftlichen Religionsunterricht zu bieten. 2) 2. Es soll eine jüdisch-akademische Lehranstalt, bestehend aus 3 Abtheilungen zur Ausbildung von Rabbinern, Lehrern und Vorsängern zu Nicolsburg begründet werden. Der damalige Unterrichtsminister Graf Leo Thun suchte das jüdische Gemeindewesen in den verschiedenen Kronländern zu regeln und da war auch dieses Moment ein Gegenstand seiner Sorgfalt. Am 10. Juli 1851 richtete er eine Zuschrift an den Statthalter in Galizien, in welcher es heißt: Daß in jeder Gemeinde für die Bedürfnisse der Cultusgemeinde und für den regelmäßigen Elemeutarreligionsunterricht gesorgt werde und daß die Rabbiner und Religionslehrer Männer von der nöthigen Bildung und insbesondere im Besitze einer gründlichen Kenntniß der jüdischen Religion, namentlich des alten Testaments seien. Zu letzterem Zweck sei die Einrichtung einer Anstalt zur Bildung von Rabbinern und Religionslehrern unentbehrlich, wobei die Frage entstehe, ob eine eigene solche Bildungsanstalt nach einem geringern Maßstabe angelegt für Galizien wünschenswerth sei, oder ob eine solche umfassende Bildungsanstalt für die Israeliten in ganz Oesterreich errichtet werden sollte. Was Böhmen betrifft, so hatte Graf Thun schon im Jahre 1850 eine Notablenversammlung nach Prag berufen, welche mit kurzen Unterbrechungen vom 25. Novbr. bis 7. Febr. 1851 über Gemeindeangelegenheiten berathschlagte. Diese Versammlung sprach den lebhaften Wunsch aus, daß ein Rabbinerseminar begründet werde. Rabbiner Albert Kehn in Raudnitz in Böhmen, ein Mitglied der Notablenversammlung arbeitete hierauf einen vollständigen Plan für ein t) Wie sich die Zeiten ändern! Heute klagt man, daß zu viele Juden studiren. 2) Was damit gemeint sein soll, ist nicht klar.

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