Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 20)
- Language
- German
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46 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. die damaligen „Tolerirten" auf ihre Exclusivität oder auf ihr Privilegium, in Wien wohnen zu dürfen, pochten und daher nicht wollten, daß in Folge einer derartigen Anstalt mehr Juden nach Wien ziehen. Bevor noch diese Verhandlungen stattfanden, hatte, wie wir bereits anführten (oben S. 43) die Hofkanzlei 1. Octb. 1336 den Antrag gestellt, für Galizien eine Rabbinerbildungsanstalt ins Leben zu rufen. Dieser Vortrag wurde mittelst allerhöchster Entschließung vom 24. März 1841 erledigt. In demselben heißt es: die Anträge wegen Errichtung einer Rabbinerbildungsanstalt sollen einstweilen auf sich beruhen Hingegen heißt es in der Kaiserl. Entschließung in Betreff der Judenangelegenheiten in Böhmen (Sch'önbrunn, 4. Juli 1841): Es soll in Erwägung gezogen werden, ob in Böhmen ein Rabbinerseminar, wie solches in Padua besteht, errichtet werden soll. Am 30. Octbr. 1847 befürwortete der mährisch-schlesische Landrabbiner Samson Rasael Hirsch, nachmals in Frankfurt a/M., daß in Mähren Religionsschulen errichtet werden sollen. Das Gubernium anerkannte diesen Vorschlag als lobenswerth; es wollte jedoch nicht jeder Gemeinde diese Pflicht auferlegen. Es befürwortet aber bei der Hofkanzlei die Errichtung eines Rabbiner-Bildungsinstitutes. Die Hofkanzlei jedoch hielt es nicht an der Zeit „jetzt" in Mähren ein eigenes Rabbinerbildungsinstitut zu begründen. Hingegen beauftragte diese Zentralbehörde am 24. Febr. 1848, am Tage, als die Revolution in Paris ausbrach, das Gubernium in Betreff eines Bildungsinstitus für die Religionslehrer in Folge der kais. Entschließung vom 4. Juli 1841 „ohne Verzug" aufzunehmen und sobald als möglich dem Ende zuzuführen und soll dasselbe binnen acht Wochen anzeigen, wie weit die Sache gediehen sei. Selbstverständlich hatte dieser Auftrag zu jener Zeit keine Folgen. Kaum war die Ruhe nach dem Sturme einigermaßen wieder hergestellt, so wurde wieder die Frage der Bildung der Rabbiner in Erwägung gezogen. Minifterialrath Exner im Unterrichtsministerium als Referent er- Weiter heißt es in dieser Resolution: Die Behörden sollen darüber wachen, daß der Religionsunterricht gehörig ertheilt werde und sei zu überlegen, ob und wie bei den verschiedenen Tendenzen des neuen Judenchums und der jüngern Religionslehrer die Religionsvorträge überwacht werden sollen. Welche Angst man vor der Reform im Iudenthum hatte, mag auch daraus hervorgehen, daß Graf Zichy, österreichischer Gesandte in Berlin, über den von Zunz begründeten Verein für Cultur und Wissenschast berichtete, daß „dieser nicht sowohl die religiöse Bildung der Juden als vielmehr ihre bürgerlichen Verhältnisse zum Gegenstand hat und ist der verderbliche Hang zu Neuerungen bei demselben vorherrschend".