Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 17)
- Language
- German
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Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 43 „Daß unter dem Begriff der jüdischen Religionslehre, aus welcher die Rabbiner nach der allerhöchsten Willensmeinung geprüft werden sollen, nicht der Talmud, nicht die Commentare und die rabbinischen Satzungen, sondern die Dogmen der rein mosaischen und prophetischen Religion zu verstehen seien, unterliegt um so weniger einem Zweifel, als es bekannt ist, daß sowohl der Talmud von Jerusalem als jener von Babylon nebst dem Urtexte der heil. Bücher die Mischna, die sogenannte Gemara, und alle Commentare darüber, so wie die später im Schulchan Aruch vorkommenden Zusätze der Rabbiner willkürliche Auslegungen und Folgerungen sind". Wenn die Regierung sich veranlaßt gesehen hat, meint das Gubernium weiter, für die Protestanten 1820 eine theologische Facultät zu begründen» so sei eine derartige Facultät für die Juden noch nothwendiger. Diese Facultät soll für Böhmen, Mähren und Galizien sein und in Prag ihren Standort haben. — Vor der Errichtung derselben soll die Regierung aufgeklärte Juden aus dem In- und Auslande fragen, was eigentlich zum Judenthum gehöre, damit man das Unnöthige wegschaffe und die Schüler der Facultät darin nicht unterrichtet werden. Das Gubernium war ferner mit Peter Beer darin einverstanden, daß vier Professoren und ein Adjunct an der Facultät angestellt werden, und mit derselben ein Lehrerseminar verbunden werde. — Die Kosten dürften 7—8000 fl. jährlich ausmachen. Wie sehr von allen Seiten die Ueberzeugung getheilt wurde, daß eine jüdisch-theologische Facultät oder ein Seminar errichtet werden müsse, geht auch daraus hervor, daß der damalige mährische Landesrabbiner Marcus Benediet im Jahre 1820 darauf antrug, eine Rabvinerfreischule zu begründen, und sollte der mährische Landesmassafond zur Erhaltung derselben beitragen. Im Jahre 1822 trug das galizische Gubernium auf die Errichtung einer philosophisch-theologischen Lehranstalt für die Juden an, weil diejenigen, die an christlichen Lehranstalten studiren, nicht das Vertrauen der Juden genießen. Die vereinigte Hofkanzlei trug am 1. August 1836 neuerdings darauf au, daß für Galizien ein nach den Verhältnissen modificirtes Rabbiner-Bildungsinstitut in der Art errichtet werde, wie solches bereits in gleicher Tendenz in Padua ^) für die italienische Judenschaft seit dem Jahre 1829 be- In der diesbezüglichen kais..Resolution vom 10. Febr. 1827 heißt es: „Nach dem Austritte aus dem Rabbinerseminar hat der Candidat zwei Jahre zu practiciren. Die Professoren sollen Inländer, nur in gänzlicher Ermangelung tauglicher Jndivi-