Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 16)
- Language
- German
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42 Wols: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. Die bestehenden Gebete sollen darum nicht übersetzt werden, weil sie schlecht sind. Es werde ein jüdisches Consistorium creirt, dieses soll die irrigen und aberwitzigen Lehren des Talmuds wegschaffen und in den Lehr- und Gebetbüchern eine Revision vornehmen. Die Rabbiner sollen öffentliche Vorträge halten. Ferner müssen Mädchenschulen gegründet werden. In der höheren Lehranstalt sollen als Lehrbücher „Jmre Schefer" und „Bne Zion" eingeführt und die Exegese nach hebräischen und christlichen Schriftgelehrten unterrichtet werden. In den Prüfungszeugniffen der Candidaten wäre zu bemerken, ob der Candidat für eine kleinere, mittlere oder große Gemeinde befähigt sei. Der Magistrat war mit Homberg einverstanden. Das Erzbischöfl. Consistorium in Prag jedoch war gegen die sofortige Einführung einer jüdischtheologischen Lehranstalt, da sie unter den Juden viel Erbitterung hervorrufen würde. Die Gebetbücher sollen in deutscher Sprache verfaßt, ein zweckmäßiger Religionsunterricht ertheilt, für die Jugend ein eigener Gottesdienst mit Erbauungsreden eingerichtet, gute Jugendschriften, von Juden verfaßt und gedruckt; Rabbiner, Lehrer und Gemeinden, welche Sittlichkeit gefördert haben, ausgezeichnet werden. Das Gubernium meinte in seinem Resume mit Bezug auf den Bericht vom 20. April 1813, die jüdische Nation habe alle Elemente zu einer großen Nation. Dasselbe will es nicht dem Belieben der Gemeinden anheimstellen, einen Rabbiner aufzunehmen. „Nachdem der gebildete, wie der gemeine Jsraelite einer vernünftigen religiösen Führung nicht entbehren kann, nachdem kräftiger als durch jedes Gebet das Gemüth des Zuhörers durch die eindringende Sprache des mit den Jnsignien der priesterlichen Würde umgebenen Bolksredners aufgeregt wird, und nur auf diesem Wege die beabsichtigte Veredlung der Israeliten mit der Wahrscheinlichkeit eines günstigen Erfolges bewirkt werden kann, so ist das Gubernium der Meinung, daß es der Willkür der Israeliten nicht anheimzustellen sei; ob sie einem öffentlichen Unterrichte von der Kanzel an Sabbath- und Festtagen beiwohnen wollen oder nicht; weil jene Jsraliten, welche die Gelegenheit nicht haben, diesen geistlichen Unterricht zu empfangen, und daher sich selbst überlassen sind, in der moralischen und religiösen Ausbildung gegen ihre Relionsgeuossen zurückbleiben müssen, der Staatsverwaltung aber daran gelegen sein muß, daß diese moralisch religiöse Bildung sich aus alle Juden erstrecke". Mit Beziehung auf das Votum Peter Beer's meinte das Gubernium: