Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 13)
- Language
- German
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Wols: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 39 die man deswegen, weil sich Mißbräuche wie bei allen menschlichen Handlungen einschleichen können, nicht abstellen, sondern nur den Mißbräuchen selbst begegnen und da, wo sie begegnet werden, bestrasen muß und hat also wegen des Hausirens bey Meinen diesfalls schon bestehenden maßgebigen Resolutionen zu verbleiben. „Bezüglich des Abfahrtsgeldes ist zu überlegen, ob Jemand, der in den Erblanden bleibt, etwas zu zahlen hätte, da dem Staate kein Nachtheil erwächst. Wien, 4. April 1795. Franz". Die Resultate der Kommission zur Prüfung und Läuterung des Talmuds sind uns unbekannt. Vielleicht, daß sie gar nicht zusammengetreten ist. Die Unkenntnis des Talmud ist jedoch bis auf den heutigen Tag in manchen Kreisen geblieben. Das Judenpatent für Böhmen, A 3, vom 3. August 1797 ordnete hierauf bekanntlich an, daß die Rabbiner philosophische Studien gemacht haben müssen, und nahm man also theilweise auf die gefaßten Beschlüsse Rücksicht. Die Seminarfrage wurde durch dieses Patent nicht gelöst, doch es dauerte nicht lange und sie wurde neuerdings in Anregung gebracht. ^) Die böhmischen Juden petirten nämlich gegen mehrere Punkte des erlassenen Patentes, speciell betreffend die Bildung der Rabbiner. Diesbezüglich wurde befürwortet, den Rabbinen wie den Söhnen griechischer Popen zu gestatten, von den Volksschulen in die Philosophie eintreten zu dürfen (ohne Gymnasialstudien). Nun wurde wieder die Seminarsrage erörtert. Da in Oesterreich bekanntlich die Dinge überhaupt keinen raschen Gang nehmen, so dauerten diese Verhandlungen bis zum Jahre 1826. Gutachten über diese Frage gaben die Oberjuristen Eleasar Fleckles und Sam. Landau, ferner Herz Homberg, Peter Beer, Religionslehrer, Inda Jeiteles, hebr. Schriftsteller, Verfasser einer aramäischen Grammatik, der Prager Magistrat und das bischöfliche Consistorium daselbst ab. Verschiedene Punkte wurden von Seiten der böhmischen Guberniums zur Erörterung gebracht. Wir heben hier nur das Moment bezüglich der Rabbiner und der Bildung derselben hervor, und geben kurz gesaßt die verschiedenen Ansichten. El. Fleckles und Samuel Landau (Oberjuristen) erklärten: „Mit Ausnahme von Trauungen ist der Rabbiner in größern und der Religionsweiser In Ungarn wurde die Seminarsrage im Jahr 1806 angeregt. David Kohen reichte über diese Angelegenheit dem Reichspalatin Erzherzog Josef ein Memorandum über diese Frage ein (Vergl. Ben Chamnanja 1865, No. 1, S. 6).