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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 36

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
Date
1892-01-01
Page
Seite 36 (sequence 10)
Language
German
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36 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. diesen Unterricht nehmen dürfen, der nicht das philosophische Studium auf der christlichen Universität gehört und geendigt haben würde". Dies die Vorschläge Rieggers. Da das Judenpatent für Böhmen eben ausgearbeitet wurde, beauftragte die Hofkanzlei die betreffende Commission bei der Statthalters in Prag, Herz Homberg, der inzwischen dahin übersiedelt war, neuerdings um ein Gutachten anzugehen. Wir lassen nun auszugsweise die Ansichten Hombergs, der Commission und der Hofkanzlei folgen. Homberg. Die Talmudschulen sollen auf dem Lande aufgehoben, hingegen solle in Prag eine jüdische hohe Schule errichtet werden. Die Schüler derselben müssen die Normalschule absolvirt haben. Die Lehrer dieser hohen Schule werden von den Normalschullehrern gewählt, unter deren Aufsicht sie stehen. (Würde der Vorschlag nicht schwarz auf weiß vor uns liegen, wir würden ihn für eine Unmöglichkeit halten). Die Commission ist einverstanden mit der Aufhebung der Talmudschulen und bemerkt: „Warum sind die holländischen und portugiesischen Juden, dann die Karaiten ^) anders und besser als die böhmischen Juden? weil sie keinen Talmud studiren. Es muß die Reinignng des Judenthums zugleich mit der Verbesserung ihrer politischen Verhältnisse geschehen". Mittelrath Kreß befürwortete, das Studium des Talmud überhaupt so lange zu verbieten, bis er purificirt sein werde. Ferner wünschte er die hebräische Sprache beim Gebete auszuschließen. Die Hofkanzlei war einverstanden mit der Aufhebung der Talmudschulen. Die Lehrer an der Hochschule jedoch sollen von der Prager Gemeinde gewählt werden. Der Hofkanzler Rottenhahn fügte hinzu, der Talmud soll „gesäubert" werden, eine Commission von Juden, worunter auch orthodoxe sich befinden, möge diese „Säuberung" besorgen. Es nütze nichts bezüglich der Lehrer Vorsorge zu treffen, wenn das Lehrbuch zweckwidrig und sütenverderblich sei. Homberg war gegen den Vorschlag, daß die Rabbiner Philosophie studirt haben müssen. Die Rabbiner sind unverbesserlich, sollen daher Die Karäer in Halicz in Galizien erfreuten sich bereits der besonderen Gnade der Kaiserin Maria Theresia. Vrgl. diesbezüglich unsere Mittheilungen im „Jüdischen Volksblatt" 1862 Nr. 30 u. 31. Ferner siehe G. Wols: Zur Culturgeschichte S. 46 Anm. Als in jüngster Zeit die Orthodoxen in Oesterreich sich als die echten und rechten Juden ausspielen wollten, wies der damalige Staatsminister Anton Ritter v. Schmerling darauf hin, daß die Karaiten in Galizien, die den Talmud verwerfen, wackere, tüchtige Leute seien.

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