Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 9)
- Language
- German
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Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 35 richtet werden; denn die Juden haben sie schon. Nur bei der böhmischen Judenschaft sind sie wenig bekannt, oder werden doch nicht gebraucht. Es wird hier ein Religionsunterricht, ein Lehrbuch, das schon ziemlich alt ist, und das ein hiesiger, ganz geschickter Jude aus dem Hebräischen übersetzt hat, zum Beispiel beigelegt — das freilich der innern und äußern Gestalt nach noch sehr verbessert werden müßte „T) Jüdische Schullehrer würde man zum Theile schon finden, die gleich itzt tauglich wären. Um aber für itzt und alle Zukunft zu sorgen, so wäre ein Seminarium für Schullehrer zu errichten. Es könnte für die Lehrer der deutschen und jüdischen Schulen zugleich bestimmt werden. Man könnte wohl auch mit der Zeit ein Erziehungshaus damit verbinden. „k) Den Fond sowohl für die angestellten Schullehrer als für das Seminarium werden theils die jüdischen Hausväter, welche die Privatlehrer ziemlich theuer bezahlen müssen, theils die für die sogenannten Gelehrten, Studenten und Schulen schon bestimmten Stiftungen, theils auch der Bruderschaftsfond 2) (wenn mit den jüdischen Bruderschaften aus die nämliche Art, wie mit den christlichen sollte verfahren werden, wie es schon Se. Excellenz der Herr Oberste Burggraf in dem Hofberichte vom 31. December 1789 insbesondere bemerket hatte) theils endlich die Gemeinden selbst hergeben können. „L) Privatlehrer, Rabbiner u. dgl. sollten in Zukunft keine mehr zugelassen werden, die nicht ordentlich aus den Gegenständen einer deutschen und jüdischen Hauptschule wären geprüft worden. Das sogenannte hebräisch oder jüdisch Deutsche sollte ganz abgeschaft werden, und in Zukunft sollten auch keine Bücher, die auf solche Art gedruckt werden, aus dem Auslande hereingelassen und derselben Verkauf hier gestattet werden. „1) Von diesen so zu sagen unteren jüdischen Schulen sollte der Jude auf die höhere Schule, die in Prag sein würde, schreiten können; hier sollte nun eigentlich die jüdische Theologie im ganzen Umfange, die hebräische mit den verwandten Sprachen gelehrt, und die Erklärung der Bücher des alten Testamentes mit der Mischna und dem Talmud vorgetragen werden. „m) Keiner sollte ein eigentlicher Rabbiner werden können, der nicht auf dieser jüdischen Schule Unterricht genommen hätte. Und keiner sollte 1) Es ist das Buch ..Lekach tob" von Abr. Jage! gemeint. 2) Kaiser Zosef II. hob die christlichen Bruderfchaftsfonde auf und dienten fie dazu, den Religionsfond zu begründen. Unter den Juden bestanden damals auch fromme Bruderschaften (Oke^rs. Xaäiseka); aber sie hatten, so weit bekannt, keine Fonds. 3*