Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 8)
- Language
- German
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34 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. „Die Jugend muß also gleich Anfangs besser erzogen und gebildet werden. Geschieht dies, so kann man mit Zuverlässigkeit für die Zukunft eine ganz andere Nation erwarten: das ist, Bürger, die mit den übrigen ohne Unterschied der Religion gleich denken und handeln werden. Der Staat wird einen Zuwachs nicht bloß an Menschen, sondern an Bürgern erhalten — er wird nicht mehr Juden — als Juden schädliche Einwohner — sondern jüdische Staatsbürger und nützliche Unterthanen in seinen Schooß einschließen. „Der Hauptsatz wäre dieser: Die jüdische Jugend, weil sie der jüdischen Religion zugethan ist, sollte auch als solche besser, als es bisher geschehen ist/ erzogen und gebildet werden. Die öffentlichen deutschen Schulen, welche durchgehend eingeführt worden sind, verschaffen vielen Nutzen. Aber sie erschöpfen nicht Alles. Es war, ist und kann auch der Endzweck derselben nicht sein, daß sie sich auf die eigentliche jüdische Erziehung und Bildung, auf das Judenthum selbst erstrecken sollten. Sie geben eine gute Vorbereitung, sie legen den Grund und führen zu weiteren Aussichten. ,,d) Daher sollte man bei den deutschen Schulen nicht stehen bleiben; man sollte auch öffentliche jüdische Schulen einführen, und selbe mit den deutschen Schulen der Juden verbinden. ,,e) In den jüdischen Schulen sollte Religionsunterricht, jüdische Geschichte vorzüglich, und auch Vaterlandsgeschichte insbesondere, mit Moral überall auf das alte Testament und Geschichteangewandt, nebst den Anfangsgründen der hebräischen Sprache gelehrt werden. „ü) Bisher geschah bei der Erziehung der jüdischen Jugend Alles sehr unordentlich und Alles, was bisher geschah, war von elenden Privatlehrern besorgt. Das Kind, das kaum lallen konnte, mußte Gesänge und Gebete in einer ihm unverständlichen Sprache nachbeten und auswendig lernen — gar bald kam es auch an das talmudische Studium — so wurden nichts als spitzfindige Talmudisten, Wortverdreher, Pharisäer, Heuchler, Menschen ohne Sitten erzogen und gebildet; — Juden bloß im Übeln Verstände. „e) Es müßten also die jüdischen Schulen auch in gewisse Classen eingetheilt werden und in gehörigem Verhältnisse gegen einander stehen: auf eine ähnliche Art, wie es bei den deutschen Schulen bearbeitet wird. Es müßten Land- und Volks-, Stadt- und Bürgerschulen errichtet — es müßten Knaben- und Mädchen- — insbesondere Industrieschulen hergestellt werden. Es müßten odentliche Schulbücher für diese jüdischen Schulen verfaßt, oder von den bereits vorhandenen, eins und das andere hierzu einge-