Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
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Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 31 Er spricht zunächst von den Fehlern der Juden. Sie hüben, erklärte er, in Folge der zweitausendjährigen Bedrückung grenzenlose Borliebe für ihren Glauben, die sich bis zum Religionsegoismus steigere. Sie halten sich für das auserwählte Volk, sie meinen alle Heiligen seien unter ihnen (bezieht sich auf Deutr. 33,3: „alle seine Heiligen sind in deiner Hand"); daher komme es, daß Samuel den König Saul schulmeisterte. Sie besitzen eine besondere Vorliebe sür ihren Glauben und halten sich ausschließlich für Menschen („^tem krüiuz ^äam"). Der scharfgeschliffene Geist der Juden sei zum Kleingeiste geworden. Sie seien verzärtelt, dem Geschlechtstriebe mehr ergeben als Christen und haben einen besonderen Hang zur Handlung. Die gesunkene Moralität der Juden, meinte er ferner, hänge mit ihrer gedrückten politischen Stellung zusammen. Das ursprüngliche Judenthum war gut und wurde das auch von Christus anerkannt, das jetzige müsse von den Schlacken gereinigt werden. Die Mittel, die Kaiser Josef anwendete, seien als unzulänglich zu betrachten und bestehen erst zu kurze Zeit, so daß man die Wirkungen derselben bis jetzt nicht genau ermessen könne. Nichtsdestoweniger zeigen sich bereits Wirkungen derselben. In Prag gebe es jüdische Aerzte, Rechtsgelehrte, Buchhalter, Normallehrer und Handwerker. In Galizien befinden sich beiläufig hundert jüdische Normallehrer :c. Er schlug vor, man nähere die Juden den Christen, hebe den esxrit äe eorxs unter den Juden auf: das Universum müsse unschädlich, das Individuum nützlich gemacht werden, schränke das Talmudstudium ein, und zwar man hebe sämmtliche Talmudschulen in der Monarchie auf, errichte in Prag eine öffentliche Talmudschule, und setze die hebräische Sprache außer Gebrauchs) Den Gemeinden werde die Verpflichtung auserlegt, Lehrer anzustellen, nicht aber Rabbiner. Der Staat ignorire überhaupt die Rabbiner und kümmere sich nicht um die religiösen Bedürfnisse der Juden. — Es sei ferner eine eigene Censurstelle für Juden zu oraanisiren und dieser einzuschärfen, daß diejenigen Stellen in jüdischen Büchern, welche Haß gegen andere Religionen enthalten, ausgemerzt werden^). Die Dieser Ansicht schloß sich der Mittelsrath Kreß mit der Bemerkung an: „Die Sprache ist nur ein Band der Völkerschaften, nicht das Band der Religion. Die hebräische Sprache aber ist nur Gegenstand des Spieles von Rabulisten und Kabalisten". 2) In Folge eines Austrages von der Censurcommission verfaßte Homberg einen raisonnirenden Inder sämmtlicher hebräischer Religions- und anderer Bücher für die Tensoren und Revisoren, „dannt sie gegen die vielen mit Aberglauben und Parteigeist angefüllren jüdischen Bücher Amt handeln können". Mir ist dieser Index nicht zu Gesichte gekommen. Bielleicht wurde er scartirt.