Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
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30 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. schrieb am 21. September 1786 an die Studienhofcommission über Homberg „Die gesunde Philosophie leitet seine Gelehrsamkeit den Talmud und andere jüdische Lehren so vorteilhaft zu wenden. Von welchem Einflüsse 5 könnte das sür die Aufklärung und die sittliche Ausbildung der erbländischeu Judenschast sein, wenn ihre künftigen Rabbiner auch den philosophischen Curs machen müßten? Herz Homberg würde den vortrefflichsten Lehrer für sie abgeben". Homberg fand jedoch zunächst Verwendung in Galizien, um daselbst das Schulwesen bei den Israeliten in Gang zu bringen. Wenn man weiß, wie feindlich noch heute ein großer Theil der galizischen Juden der deutschen Bildung wie der Bildung überhaupt gegenübersteht, so wird man es leicht ermessen, welche Kämpfe Homberg daselbst zu bestehen hatte. Diese Kämpfe waren um so heftiger, da die Gesinnungen Hombergs auf religiösem Gebiete den Juden nicht die Garantie boten, daß durch die Schulen, die er leitete, das Judenthum gefördert, und die Sorge obschwebte, daß dasselbe durch ihn geradezu untergraben werde. Doch die Klagen der galizischen Juden fanden kein Gehör. Die Hofkanzlei bemerkte in ihrem Vortrage vom 27. Januar 1791: „Den Widerwillen, den hier ein verwildertes Volk äußert, hat die große Stifterin (die Kaiserin Maria Theresia) der heilsamsten Anstalt selbst von ihren christlichen Unterthanen erfahren, sich aber dadurch ebenso wenig als ihr von der Wichtigkeit des Geschäfts lebhaft überzeugter Nachfolger, der höchstselige Kaiser (Josef II.) abhalten lassen, die Wohlthat immer mehr zu verbreiten und den Undankbaren eigentlich aufzudrängen". Im Jahre 1792 machte Homberg den Vorschlag, Lehrerseminare zu begründen. Die Lehrgegenstände sollten sein: Lesen nach der Tonmessung, Schön-, Recht- und Dictandoschreiben, Rechnen, Erklärung der Lesebücher und Anwendung auf das Leben, Sprachlehre, Methode, Briefstil, Aufsätze zu amtlichen Schriften, Übersetzungen aus dem Hebräischen ins Deutsche und Religion. Der Unterrichtscurs sür die Seminaristen sollte zwei Jahre dauern, und zehn Zöglinge sollten in das Seminar aufgenommen werden. Der Kostenüberschlag war: Kost für 10 Zöglinge a 20 Kr. täglich, 1216 fl. 40 Kr., Lohn für den Aufwärter 50 fl., ein Zimmer für den Aufseher 150 fl., Herberge für 10 Zöglinge 5 12 fl., 120 fl., Holz und Beleuchtung 80 fl., Papier und Tinte 8 fl. In Summa 1624 fl. 40 Kr. Homberg arbeitete dann im Jahre 1794 ein weitläufiges Memoire über die Verhältnisse der Juden aus, welches er der Studienhofcommission unterbreitete, das gewissermaßen unparteiisch sein sollte, aber parteiisch gegen die Juden war.