Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
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32 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. Juden sollen zu Kriegsfuhrknechten, zur Feuerwehr, zum Acker- und Straßenbau verwendet werden, die Handlungen derselben aber seien einzuschränken. Wir haben dieses Memoire skizzirt, weil es zur Kennzeichnung jener Zeit gehört. Den Rabbinern allein wurde die Schuld des Verfalles der Juden aufgebürdet, und das jüdische Schriftthum ward von denjenigen, die es vertheidigen sollten, angegriffen.^) Da Homberg diese Gesinnungen hegte, so war es natürlich, daß er sich unter den galizischen Juden nicht wohl fühlte. Er bat, nach Wien versetzt zu werden, um daselbst ein Religionslehrbuch für Israeliten auszuarbeiten. Dieses Gesuch wurde ihm gewährt; er konnte in der Hofbibliothek arbeiten und erhielt ex eamsrale täglich 2 fl.; seine Vorschläge aber wanderten vorläufig zu den Acten. Die Sache selbst schlief jedoch nicht ein; denn sie wurde auch von den Regierungsorganen in Prag angeregt. Wir lassen hier ein Gutachten des Mittelrathes der Statthalterei zu Prag, Josef Peter v. Riegger^) vom 11. Decbr. 1792 im Auszuge folgen: „Der Unterzeichnete wird sich hiermit einige Anmerkungen erlauben, die auf die gesammten Erziehungs- und Unterrichtsanstalten der Juden einen Bezug haben und mit dem galizischen, der Judenschaft ertheilten Patente in Verbindung stehen. „Alle politischen Einrichtungen und Verbesserungen, die man mit der jüdischen Nation vornimmt, wenn sie auch noch so heilsam, ersprießlich und gemeinnützig sind, müssen ihren Endzweck ganz gewiß verfehlen, wenn nicht mit der moralischen Verbesserung vor allem der Anfang gemacht, wenn 1) Nicht ohne Interesse dürfte folgender Bericht Hombergs über den Inhalt des jüdischen Schriftthums sein. Mit Berufung auf Mendelssohns „Jerusalem" (S. 120—122) stellte er den Satz auf: Die Juden besitzen keine symbolischen Bücher. „Es kann, heißt es ferner, von keinem hebräischen Buche, so viele es deren auch giebt, bestimmt gesagt werden, dies sei ein Religionslehrbuch. Außer den heiligen Schriften sind die hebräischen und rabbimschen Bücher größtentheils vermischten Inhalts. Sie handeln von den Ceremonien und deren Befolgungsart, von verschiedenen Auslegungen der heiligen Schrift, zuweilen auch von einigen Glaubenssätzen, von moralischen Lehren uud Lebensregeln, von überspannten Hoffnungen, Träumen und ungereimten Meinungen einiger Rabbiner in Allegorien oder dunkle Gleichnisse gehüllt, die auf andere Religionsparteien oder Abtrünnige anspielen n. s. w. 2) Dieser war ein Sohn des bekannten Kirchen- und Staatsrechtslehrers Josef Paul v. Riegger.