Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 13 liche Mandat allzusehr zu pochen, da alsdann der Stachel der Erbitterung in der Brust der Bürger zurückbleiben und man einer trüben Zukunft entgegensehen würde. Deshalb hatten auch die Abgesandten der Juden dem Syndikus erklärt, sie hielten nicht mehr an dem Gedanken der solidarischen Haftbarkeit der ganzen Bürgerschaft fest, da sie nicht wollten, daß die Unschuldigen gleich den Schuldigen behandelt würden. Nach langen Erwägungen hielt es die Gemeinde für das angemessenste, sich an die Commissarien selbst zu wenden. In einem ausführlichen Bericht, welcher noch einmal die Vorfälle kurz vor und während der Plünderung wiedergiebt, begründet sie die Forderung, daß eigentlich alle Bürger der Stadt für den Ersatz der ihnen entwendeten Habe haftbar zu machen seien; trotzdem seien vie Juden „von einem unzeitigen, rachgierigen Eifer gegen die Bürger weit entfernt", wünschten vielmehr sehnlichst, mit ihnen in gutem, durch keine Verbitterung getrübten Frieden zu leben und stellten daher alles der Entscheidung der Commissarien anHeim. Diesen übersandten sie zugleich ein Verzeichniß der geschädigten Gemeindemitglieder mit Angabe ihrer Verluste. Die Wahrheit ihrer Aussagen erboten sich dieselben eidlich zu erhärten ^). In dem Verzeichniß waren nicht einbegriffen der ausgetrunkene Wein, die Verluste der auswärtigen Juden, sowie die geraubten Pfänder der Schuldner. Die an Pfändern Geschädigten jüdischen und christlichen Glaubens beabsichtigten später ihre Forderungen gegen die Stadt geltend zu machen. Nach Ablauf der festgesetzten drei Monate sandte der Rath den Comlom. II ^et. 101: „Designation alß die Plünderung zu Franksurdt beschehen äs ao. 1614" (16 Folioseiten). 262 Personen werden ausgezählt. Als geringsten Verlust finden wir 30 Gulden, als höchsten 8250 Gld. Der Gesammtverlust wird auf 175919 Gulden angegeben. Unter 100 Gulden verloren 22 Personen 100— 500 „ „ 141 „ 500—1000 „ „ 53 „ 1000—2000 „ „ 30 „ 2000—3000 „ „ 10 „ 3000—4000 „ „ 3 „ 4000—5000 „ „ 2 „ 5000—6000 „ „ — „ 6000—7000 „ „ — „ 8250 „ „ 1 „ 175919 „ „ 262 „ Diese Designation mußten die Juden zuerst dem Rathe zustellen (Brgm. 2. V. 1616).