Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Kcacauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. 9 aufzustellenUnter Trommeln und Pfeifen zogen jetzt Abtheilungen von Fußvolk und Reitern mit fliegenden Fahnen nach der Galgenpforte — dorthin hatten sie sich vom Bockenheimerthor aus begeben müssen — nahmen sie in die Mitte und führten sie über den Richtplatz durch die Zeil bis zum Eingang in die GasseDen Zug der Juden eröffneten 2 Wagen; in dem einen befand sich ein hochbetagter Greis mit schneeweißem Bart 2), ihm zur Seite ein Kind mit Hausgeräthen; in dem andern verdeckt die kaiserlichen Wappen. Vor der Gasse angelangt, stellten sich die Juden im Kreise auf. Nachdem der Führer des Zuges an die drei Thore der Gasse auf Blech gemalte Adler mit der Aufschrift: „Rom. Kays. Majestät und des h. Reiches Schutz" befestigt hattet, hieß ein höherer Beamter die Vorsteher der Juden zu sich treten, erklärte die alte Stättigkeit, die durch manche unklare Bestimmung dem Aufstand Vorschub geleistet hatte, für erloschen und verlas die neue Stättigkeit mit allen ihren Bestimmungen ^). Endlich wurden die Thore der Gasse geöffnet. Ein Trompeter ritt in die Gasse voran und blieb darin, muntere Weisen blasend, so lange, bis auch der letzte der Juden in seine Wohnung eingezogen war. „So kehrten wir in Friede und Sicherheit, in Wonne und Freude in unsere Häuser zurück; an Stelle von Klageschrei herrschte jetzt Sicherheit", diese Worte des Bincenzliedes geben uns die Stimmung der Zurückkehrenden wieder °). Zur Erinnerung an die soeben erlebte Leidenszeit und an die unver- Vinc. Strophe 94 ff. -) Josts Omez S. 136 § 1109. 2) Es war dies Josef Hahns Schwiegervater, Abraham Breitingen, der wegen eines heftigen Podagraanfalles nicht zu Fuß gehen konnte. 1. c. 97—98; Relation S. 6 und 7. Josef Omez 1. e. 2) Ob bei der Wiedereinführung der Juden der Führer des Zuges diese dem Vertreter des Rathes mit den Worten übergeben habe: „da bringe ich die Schelme wieder", ist mehr als zweifelhaft. Unsere Quellen wissen nichts davon; nicht einmal das zu dieser Zeit erschienene äußerst judenfeindliche Schriftchen „Irieiuium" zc. Die Nachricht findet sich meines Wissens nur bei Schudt Teil II Buch VI. S. 62; er beruft stch auf einen vornehmen Freund, „der sich erinnerte, in einem Buche des Christian Weiße, dessen Titel er aber vergessen habe, diese Aeußerung gelesen zu haben, worüber derjenige, so die Juden im Namen der Stadt annehmen sollen, und der stch auf eine große Oration gefast gemacht hatte, gantz verstummet, weil ihm dieses so unvermuthet begegnet". 6) Strophe 100. Als am nächsten Tage Samuel „Jud zum Strauß" im Namen der Judenschaft bat, ihre Habe zollfrei iu die Gasse hineinbringen zu dürfen, ward ihm dies abgeschlagen. (S. Brgm. 1616. 29. II.)