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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 1
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand
Date
1892-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1613. zwischen zogen durch das Bockenheimerthor 4 Fähnlein Fußsoldaten und 2 Reiterabtheilungen des Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Ihren Zug schloffen die 4 Wagen, auf denen sich die Delinquenten befanden. In der Stadt angelangt, wurden sie der Fesseln entledigt und in die St. Maternus - kapelle am Roßmarkt gebracht ^). Dort harrten bereits die Geistlichen, welche ihnen nach abgelegter Beichte das Abendmahl reichten. Am meisten ergriffen zeigte sich Fettmilch, der reuig bekannte, wider Ihr. Kaiserlicher Majestät seine Obrigkeit und das vierte und alle Gebote gesündigt zu haben 2). Endlich, als auch die Subdelegirten eingetroffen waren, wurden die Gefangenen gebunden und auf das für sie gebaute Gerüst geführt. Darauf las einer der Subdelegirten vom ersten Stock des „Roßzolls" (der an die Maternuskapelle anstieß) zuerst Fettmilch als dem Schuldigsten unter ihnen das Urtheil vor. Es wurde ihm in demselben unter anderem vorgeworfen, „daß er vom Anfang bis zum letzten sich als Director und Vorgänger der Ausrührer mit Geld habe bestellen lassen . . . sich des Gubernaments in der Stadt unter dem Namen der ganzen Bürgerschaft fälschlicher, boshafter Weise angemaßt ... zu der Judengassen Plünderung mitgerathen, geholfen und drein zu schießen besohlen, wie nicht weniger sein Weib und Kinder aus selbiger Gassen mitgeraubt und sich angeheibset, den Juden den Schutz ausgesagt, dieselbigen ausjagen Helsen, den Handwerksburschen und Bürgern, so vor und in dem „güldnen Löwen" der Herren Kais. Commissarien Subdelegirte vornehme Officire und Räthe überlaufen, despectirt und vergewaltigt, nicht abgewehrt, deren er sonst wohl mächtig sein können Wegen all dieser Frevel soll er dem Nachrichter an die Hand gegeben, durch das unvernünftige Vieh aus die Richtstatt geschleppt und daselbsten die zween vordersten Finger an der rechten Hand ihm auf einem Stock abgeschlagen, er mit dem Schwert vom Leben zum Tode gerichtet, der Körper geviertheilt und die Stücke auf vier gemeine Straßen aufgehenkt, der Kopf aber auf eine eiserne Stange in die Höhe auf den Brückenthurm aufgerichtet werden. Ferner sollte seine Wohnung völlig niedergerissen und auf dem Platz, der für alle Zeiten unbebaut zu bleiben habe, eine steinerne Säule mit Angabe der Verbrechen und ihrer Sühnung errichtet werden". t) Ueber deren Lage s. Kriegk S. 393 ff. 2) S. Relation oder kurtze wahrhafste Erzehlung und Bericht, welcher gestalt die Exekution vber die Frauckfurtische Aechter vnd jhre Adhaerenten . . . volzogen worden (gleichzeitig in Augsburg erschienen). 5) Diarium uistorieum S. 339—340; Vinc. Strophe 89.

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