Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Kracauer: Die Jaden Frankfurts im Feitmilch'schen Aufstand 1612—1618. Pöbel beunruhigt zu werden ^). Zu ihrem Schutze wurde deshalb auf ihre Kosten vor der Judengasse eine Wache aufgestellt Inzwischen hatten die Untersuchungen gegen alle diejenigen, welche sich in irgend einer Weise an der aufständischen Bewegung betheiligt hatten, eine immer größere Ausdehnung gewonnen. Neue Achtserklärungen von feiten des Kaisers erfolgten, weitere Verhaftungen, denen sich viele durch die Flucht zu entziehen suchten, fanden statt. Die gerichtlichen Verhandlungen zogen sich bis in den Anfang des nächsten Jahres hin. Das Verhalten der Rädelsführer vor den Untersuchungsrichtern war ein durchaus unmännliches und unwürdiges ^). Keiner hatte den Much, offen für sein Auftreten einzustehen; bald stellten sie sich als Verführte hin und suchten sich gegenseitig zu belasten; bald erklärten sie, von der Tragweite ihrer Anträge und Beschlüsse keine Ahnung gehabt zu haben, und baten fußfällig um Gnade. Am meisten machte den Richtern Weitz zu schaffen, der ihre Geduld durch juristische Spitzfindigkeiten aller Art auf eine harte Probe stellte^). Endlich am 21. Februar 1616 theilten die Cemmissarien dem Raths mit, daß sie die Untersuchungen abgeschlossen und den 28. zur Urteilsvollstreckung festgesetzt hätten, an welchem Tage die Subdelegirten mit einem Truppencommando in der Stadt eintreffen würden. Im weiteren befahlen sie 2), nur das Bockenheimer- und Galgenthor an diesem Tage offen zu halten und die Schlüssel dem Führer der Executionstruppen zu überliefern, der sofort die Thore militärisch zu besetzen habe, während das Zeughaus und der Pulverthurm von durchaus zuverlässigen Bürgern zu bewachen seien. Ferner sollten auf dem Roßmarkt, dem für die Hinrichtung der Rädelsführer bestimmten Platze, Geschütze aufgestellt werden, und der -) Josif Omez S. 135k Z 1107. 2) Vinc. Strophe 30: „Sie zogen ein in eitel Mora (Furcht) sie thaten es noch nicht gern wagen". Unter ihnen befanden sich Samuel zum Strauß und der Verfasser des Josif Omez. Ersterer hatte sich zum Baue seines Hauses 600 Gulden von der Stadt geliehen und es fast vollendet, da mußte er den Weiterbau wegen des inzwischen ausgebrochenen Aufstandes einstellen. Jetzt verlangte die Stadt die Bezahlung der Schuld und warf ihn, als er dazu unvermögend war, ins Gefängnis. Da intervenirten der Kaiser und die Commissarien, an welche sich Strauß gewandt hatte, zu seinen Gunsten und erlangten vom Rath, daß er nach erfolgter Freilassung billige Zahlungstermine erhielt (lorn. II ^et. 37—89; Brgm. 28. V. 1616). S. auch Brgm. 1615. 31. VIII. 5) Die Verhöre füllen eine Reihe der Kaiserlichen Commissionsacten aus. Er sowohl wie Fettmilch und Schopp wurden gefoltert. 5) Brgun. Bd. 18, 314.