Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 3 Hand zu Gemüthe führen", um sie zur Einstellung aller Forderungen zu bewegen Bald darauf antwortete er den Commissarien 2), daß das Thor bis aus die eisernen Spitzen oben fertig gestellt sei. Was dagegen den Schadenersatz anbelange, so würden sie wohl von den Subdelegirten erfahren haben, daß die Plünderung ganz plötzlich, wider jedermanns Vermuthen, auf Anstiften einiger unruhigen Köpfe erfolgt sei. Dabei hätten sich der Rath und die friedliebenden Bürger mit Lebensgefahr in die Gasse gewagt und ärgerem Unheil abgewehrt. Zum Dank dafür sollten sie nun für Andere büßen! Aber auch ohnedies dürfe man jetzt der Stadt keine finanziellen Opfer auferlegen. Durch die seit 3 Jahren währenden Unruhen sei ihre Steuerkraft geschwächt und das Aerar völlig erschöpft. Außerdem sprächen politische Gründe gegen die Forderung. Noch sei der Pöbel höchst feindselig gegen die Juden; er drohe mit neuen Excessen, falls diese, denen offenbar der Kamm sehr geschwollen sei, Ansprüche an die Bürger stellen würden. Die Commissarien gingen auf die Einwendungen nicht weiter ein. In ihrem nächsten Schreiben ^) ermahnten sie nur, die Juden im Aufbau ihrer Häuser nicht zu hindern und ihnen gegen Entgelt die dazu n'öthigen Materialien und Handleistungen zu gewähren. Die erste Sorge war nunmehr, die entweihte Synagoge und den verwüsteten Friedhof zu reinigen und sie für den religiösen Gebrauch wieder einzurichten. Die Vertreter der Judenschaft (Mesche zum Schwert, Schmul zum Drachen, Samuel zur güldnen Krone und Beyfuß zum güldnen Rößlein) ersuchten Mitte August den Rath, ihnen die Schlüssel zur Gasse und zur Synagoge, „mit deren Wiederherstellung sie in Gottes Namen den Anfang machen wollten", zu übergeben. Dies geschaht), und so wurde das Werk in Angriff genommen. Dabei erschien die beständige Anwesenheit von Juden dringend geboten, wogegen auch der Rath keinen Einspruch zu erheben wagte. Aber die meisten Juden hielten die Zustände in der Stadt für noch nicht gesichert genug und besorgten bei ihrem Betreten ein Aufflackern der erloschenen Bewegung. Da bestimmten die Vorsteber der Gemeinde vierzig Familien durchs Los, die fürs erste in die Gasse zu ziehen hätten. Im September langten sie daselbst an, nicht ohne Furcht, vom ') Brgm. 15. VII. 1615. 2) 1. e. 84. 2) 1. e. 85. 4) „Doch wurden sie ernstlich erinnert. sich still und eingezogen zu verhalten". 1*