Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Briefen Berthold Auerbach's
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Miscellen. Führung des persönlichen Adels berechtigte, hieß es in einer Zeitungsnotiz: vermuthlich werde man nächstens Berthold von Auerbach zu begrüßen haben und auch mein Glückwunschschreiben enthielt eine solche Andeutung. Er aber erwiderte umgehend: „Ihre Vermuthung hat mich fast gekränkt. Ein Dichter sollte nie den Adel anstreben und mit ihm prunken; sein Adel kann nur von Volkes, nie von eines Fürsten Gnade sein. Und nun gedenken Sie zudem meines Quellsprungs im Judenthum. Wir danken unseren Eintritt in die deutsche Gemeinschaft dem Bürgerthum und sollen darin verbleiben". Nun von jenen beiden Plänen, den „Erinnerungen" und einem großen Roman, in welchem er deutsche und jüdische Art schildern, ihre harmonische Vereinigung darstellen wollte. Diese Werke sollten sein „Vermächtniß" sein, bei unserer ersten und bei unserer letzten Unterredung, 1872 und 1881, hat er sie mit diesem selben Wort bezeichnet. Der Roman, welcher „eines des Siegel an der Urkunde sein sollte, daß die Juden in Deutschland nicht bloß gleichberechtigte, sondern auch gleichfühlende Deutsche sind, bereits heute sind und es nicht etwa erst zu werden brauchen" — hat im Laufe der Zeiten den Titel oft gewechselt; auch schon in den Jahren unseres Verkehrs; einmal sagte er mir — nicht zu meiner Freude — er wolle einen echt jüdischen Vornamen und einen echt deutschen Familiennamen auf den Titel setzen oder umgekehrt — „vielleicht „Hellmuth Levh" oder „Baruch Staudegg" oder so ähnlich. . . ." Der letzte Titel, an den er dachte, war: „Ben Zion". Es sollte eine Art Familiengeschichte werden. Drei Generationen, erzählte er mir, wolle er vorführen, den Helden als Träger jenes Judenthums, welches sich in Deutschland nicht bloß seine leibliche, sondern auch seine geistige Heimath erkämpft habe; seinen Bater als Vertreter des nationalen, orthodoxen Judenthums, seinen Sohn als Vertreter der neuen Zeit, einer Generation, welcher ein Gegensatz zwischen deutschem und jüdischem Wesen kaum mehr fühlbar werde. Die Handlung sollte nach 1813 auf einer süddeutschen Hochschule beginnen, der Held als Mitglied der Burschenschaft vorgeführt werden — „also in jener schweren Situation, in welcher ich und Ihr Bater damals thatsächlich waren. Wir traten in die Burschenschaft, die damals noch vorwiegend christlich-germanisch war, und hielten darin aus, so schwer es uns auch damals wurde, weil wir wußten, daß es gelte, das Vorurtheil in diesem Kreise zu brechen". Im Jahre 1877 sagte er mir, begonnen habe er noch nicht, sammle jedoch unausgesetzt die Materialien; im Jahre 1879 erhielt ich von ihm als Antwort auf meine