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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 386

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Aus Briefen Berthold Auerbach's
Date
1890-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
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386 Miscellen. seinem Herzen that. Es sind viele Stellen darunter, die wohl gedruckt zu werden verdienten; gleichwohl möchte ich sie, soweit sie Anklagen sind, jetzt und an dieser Stelle nicht vorbringen. Nur von den Klagen seien einige wenige wiedergegeben: . . . „Das bricht mir das Herz? Ich, dem einst Jakob Grimm gesagt: „Ihre Schriften sind so durch und durch deutsch, als ob Sie direct von Hermann dem Cherusker abstammten" — ich, der ich mein Lebenlang für Deutschland gefühlt, gelitten und gestritten, soll nun plötzlich ein „Fremder" sein? Aber es geht mir ja nicht um mich allein, welches Ende soll diese grenzenlose Verrohung der Gemüther nehmen, welches Ende?!" Die Worte stammen aus dem Jahre 1879. Im Frühling 1880 schrieb er mir: „Mit dem Arbeiten geht's schlecht. Ich kann nicht. Diese Judenhetze hat mich in's tiefste Herz getroffen. . . . Aber nicht nur die Feinde überraschen durch ihre Infamien, noch bitterer ist's, daß so wenig human gesinnte Christgeborene hervortreten, vielmehr uns die Abwehr überlassen. Als ob es sich da allein um eine jüdische Sache handelte!" Im Herbst 1880: .... „In welchen Zeiten leben wir! Und da sollte der Einzelne srohgemuth arbeiten, in solcher Corruption ein kleines Gute zu schassen trachten?! Vielleicht ist's Pflicht, aber ich bin zu schwach, sie zu erfüllen!" Endlich im Herbst 1881: „Was ich leide, sagt kein Wort" (folgen Anführungen bitterer persönlicher Erfahrungen, die er gemacht hatte, vielleicht auch nur gemacht zu haben glaubte). „Das war der Sturz von meinem Jdealthurm, ich bin zerschmettert". Damit sei es auch dieser Klagen genug. Hat doch er selbst, der miide, kranke Greis, die Kraft gefunden, sein letztes Büchlein („Die Genesis des Nathan") mit den Worten zu schließen: „Aus allen Erschütterungen des Gemüths, aus allen Versuchungen der Verzweiflung heraus rufet mit mir: Und doch wird der Geist der Humanität siegen!" Ich weiß nicht, ob es in weiteren Kreisen bekannt ist, wie sich Auerbach zur Frage des Staatssocialismus stellte. Was ihn zunächst dagegen einnahm, war die von Bismarck angeheftete Etikette: „Practisches Christenthum". Als dies Schlagwort zum ersten Mal ausgegeben wurde, schrieb mir Auerbach erregt, das sei lediglich ein Wahlmanöver; „Bismarck weiß

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