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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 385

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Aus Briefen Berthold Auerbach's
Date
1890-01-01
Page
Seite 385 (sequence 1)
Language
German
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Miscellen. 385 Aus Briefen Serthold Auerbachs. Mitgetheilt von Karl Emil FranzoS. Vielleicht sind die nachstehenden Stellen aus Briefen Berthold Auerbachs an mich von einigem Interesse für den Leserkreis dieser Zeitschrift; ich beschränke mich auf jene, in welchen er über Juden und Judenthum spricht. Einzelnes habe ich bereits in einem kurz nach Auerbach s Tede in einem Wiener Blatte erschienenen Aufsatze mitgetheilt; die Wiederholung ließ sich nicht vermeiden, was aber, da es sich um einen verschollenen Aussatz in einem Tagesblatte handelt, vielleicht nicht allzu belangvoll ist. Mein Vater, vr. Heinrich Franzos, welcher als Arzt zu Czortkow in Ostgalizien wirkte (er starb 1858), hatte seine Studienzeit zum größten Theil auf deutschen Hochschulen verbracht; im Winter 1833 wurde er in Erlangen Mitglied der Burschenschaft, einer der ersten Juden, die beitraten. Ich glaube wenigstens, daß es in Erlangen war; gewiß ist, daß er da^ durch kurz darauf bei einem Burschentage mit Berthold Auerbach zusammengeführt wurde. Die beiden jungen Männer wurden in den wenigen Tagen ihres Beisammenseins sehr vertraut, vielleicht mit deßhalb, weil sie die einzigen Juden in dem Kreise waren. Ein Briefwechsel, obwohl er bei der Trennung verabredet war, fand nicht statt, doch bewahrten sich beide Männer freundliche Erinnerung ihr Leben lang; mein Vater kaufte jedes Buch Auerbachs nach dem Erscheinen und erzählte uns Kindern oft von ihm. Aber auch der berühmte Mann hatte des einstigen Genossen nicht vergessen; als ich ihn bei dem Eröffnungsfeste der Straßburger Universität — am 2. Mai 1872 auf dem Ausflug nach der Odilienhöhe — kennen lernte und meinen Namen nannte, rief er, — meine Aehnlichkeit mit Jemand, „den er einst gut gekannt", war ihm schon früher aufgefallen, — sofort: „O, der Sohn des Heinrich Franzos, des Mediciners!" Ich erwähne dies, weil es eine Erklärung dafür ist, daß er schon damals mir jungem Candidaten der Rechte sein Vertrauen schenkte und mit mir über die beiden großen Pläne seines Lebens sprach: einen Judenroman und seine Selbstbiographie. In welcher Weise werde ich später andeuten. Unsere Correspondenz begann erst 1877 und hat bis kurz vor seinem Tode gewährt. Anfangs sprachen wir uns in unseren Briefen fast ausschließlich über Persönliches und Literarisches aus; je mächtiger die antisemitische Bewegung anwuchs, desto eifriger handelte er auch in seinen Briefen darüber, bis er endlich kaum mehr für Anderes Interesse zu haben schien. Das war so natürlich, denn man weiß ja, wie weh jene Bewegung

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