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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 383

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Aus Briefen von und an Emil Schulze
Date
1890-01-01
Page
Seite 383 (sequence 6)
Language
German
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Miscellen. 383 lag eine starke Garnison. Mit einem der Officiere nun gerieth Gans in einen Streit; über den Hergang desselben muß ich zu berichten verzichten, da die verschiedenen Anspielungen, die mir vorliegen, nicht recht in Einklang zu bringen sind; diese „neue Geschichte vom Riesen Goliath und dem kleinen David" hat die Gemüther offenbar sehr erregt und zu einer förmlichen Sagenbildung Anlaß gegeben; es scheint dies um so mehr der Fall gewesen zu sein, als damals die Preußen in Hannover überaus verhaßt waren, wie denn ja auch die Bevölkerung den Franzosen im Spätherbst desselben Jahres als ihren „Befreiern" entgegen jubelte. Der Kern war wohl der folgende: Der Officier, ein herkulisch gebauter Mann, scheint der Meinung gewesen zu sein, an dem schwächlichen Jungen von auffallend orientalischem Aeußern straflos sein Müthchen kühlen zu können, kam aber an den Unrechten; ob „David", an „Goliath" emporschnellend, diesem eine Maulschelle gegeben oder nicht, mag dahingestellt bleiben; jedenfalls wird der Officier, da die Bürgerschaft für das Stadtkind Partei nahm, übel weggekommen sein. Gans, damit nicht zufrieden, ließ den Officier fordern, was dieser ablehnte. Nun grisf das Gericht ein; der Bürgermeister von Celle — Schulzens Vater — ließ Gans verhasten. Warum und auf wessen Veranlassung dies geschehen, vermag ich abermals nach den mir vorliegenden Materialien nicht bestimmt zu sagen. Vielleicht brachte der Officier eine Klage ein oder der Jüngling wurde wegen der Herausforderung von Amtswegen festgesetzt. Gar zu grausam wurde jedenfalls nicht mit ihm verfahren; er bekam im „weißen Hause" zu Celle, dem Untersuchungs-Gefängniß der Stadt, die beste Stube, welche sonst als Verhörs¬ und Berathungszimmer für die Richter diente, und Tag für Tag gab es da einen lustigen Commers, an welchem außer den Primanern auch die zu den Osterferien aus (Nöttingen heimgekommenen Cellenser Studenten teilnahmen. Nun lag es aber Gans daran, bald nach Halle zu kommen, um den Jmmatriculations-Termin für das Sommersemester nicht zu versäumen, und er bat daher seinen freundlichen Untersuchungs-Richter um Urlaub, damit er nach Hannover gehen und seine Sache dort dem Ober-Präsidenten der Provinz, Herrn v. Ingersleben, vortragen könne, vr. Schulze gewährte die Bitte, doch richtete Gans in Hannover, wenigstens anscheinend, nicht viel ans, obwohl der Vater seines Mitschülers Fritz von Bülow, der damals dort Regierungsrathund Ingerslebens Vertrauensmann war, besonders warm für ihn eintrat. In Wahrheit aber scheint man nun der Sache von obenher ein Ende gemacht zu haben; das Duett fand statt, verlief aber unblutig, Gans durfte nach Halle gehen. Doch kehrte er von dort bereits Ende October 1806, nachdem Napoleon der Hochschule an der Saale das Zeitschr. s. d. ^>esch, d. ^uden i, Teutscd;. IV. 25

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