Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus Briefen von und an Emil Schulze
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Miscellen. schwören mußte, nie wieder auf dem l'kee zu erscheinen, so lange die Jüdin diesen frequentiren würde. Diese ließ sich nicht abschrecken und da das weibliche Geschlecht nach der Meinung der Naturforscher sich zwar gerne rächt, aber noch lieber tanzt, so sah sich die Rädelsführerin bald wieder von ihrem Anhange verlassen und nahm voller Verzweiflung ihre Zuflucht nach Cassel, wo sie auf den Bällen keine älteren Geschlechtsregister zu befürchten hat'). Die Bemerkungen, die sich über diese Geschichte machen lassen, will ich Dir ersparen, denn Du bist ja gottlob keiner von den Menschen, denen die Moral wie der Brey den Kindern in den Mund geflößt werden muß". Die scherzhafte Bemerkung, er hasse die Juden „wegen ihrer unerschütterlichen Freundlichkeit" kehrt bei Schulze gelegentlich wieder. An dem Helden der nachstehenden dritten Begebenheit hätte er dies freilich nicht aussetzen dürfen. Unter Schulze's Mitschülern am Gymnasium zu Celle, eine Classe höher, als er, war auch ein Sohn jüdischer Eltern derselben Stadt, der daselbst 1788 geborene Salomon Philipp Gans, nebenbei bemerkt, ein Vetter des nachmaligen berühmten Berliner Professors Eduard Gans und, wie wir später sehen werden, ein in der Folge gleichfalls vielgenannter Mann. Als er zu Ostern 1806 vom Gymnasium abging, hatte er zunächst die Absicht, Medicin zu studiren; da er jedoch für das akademische Lehrfach und die Jurisprudenz eine große Vorliebe hatte, so beschloß er, nach Halle zu gehen, sich dort taufen zu lassen und die Rechte zu studiren. Dies entnehmen wir einem Briefe Schulze's an Bülow; in einem nächsten macht er sich — durchaus gutmüthig und ohne jede Spur von Gehässigkeit — über diesen Entschluß von Gans lustig: bei seinem Aeußeren werde es wohl viel Taufwasser bedürfen, um ihn zu einem Christen zu machen u. s. w. — ein Adonis und Hercules scheint Gans, nach dieser Beschreibung zu schließen, jedenfalls nicht gewesen zu sein. Aber der kleine schwächliche Jüngling von noch nicht achtzehn Jahren sollte baldigst Gelegenheit haben, zu erweisen, daß er über genügenden Muth verfüge. Hannover war damals bekanntlich — vom April bis zum Oktober 1806 — eine preußische Provinz; auch in Celle Eine irrige Vermuthung Schulze's. Nachdem das Iuden-Emancipations- Gesetz für das Königreich Westphalen am 12. Januar 1808 erlassen worden war (vrgl. über dies Gesetz Gr ätz, Geschichte der Juden, XI, 305 ff.), fand auch in Cassel eine sociale Annährung zwischen Juden und Christen statt; freilich brach sie nach der Rückkehr des hessischen Hofes jäh wieder ab.