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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 381

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Aus Briefen von und an Emil Schulze
Date
1890-01-01
Page
Seite 381 (sequence 4)
Language
German
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MisceLen. 381 den Obersten ausgenommen — und die Nase der jüdischen Dame erfährt sogar ganz besondere Würdigung, aber im Kern sieht er die Sache nicht anders an, als etwa jeder anständig denkende Mann unserer Tage. Aehnlich ist die Tonart, in welcher uns Schulze die zweite derartige Historie berichtet. In einem Briefe an seinen Freund vr. Bergmann in Celle schreibt er aus Göttingen, 15. Februar 1810: „ . . . . Zur Vergütung für diese traurige Geschichte will ich dich jetzt mit einer lustigen unterhalten, die unserem hiesigen Idee äanZant behnahe den Untergang zu Wege gebracht hätte. Sie ist freylich nicht zum Vortheil des schönen Geschlechts, aber so wie Ihr Mediciner Euch ebensowohl in idealistisch-naturfilosophische Betrachtungen über Sehn und Thätigkeit und über die Reflexe derselben in den Formen des Lebens, als in die . . . Erkenntniß sogar der partles Konteuses des menschlichen Körpers einlassen müßt, so sind die Schattenseiten des Geistes dem Psychologen gewiß ebenso interessant, wo nicht noch interessanter, als die Lichtseiten. Ein Paar Damen, die eine eine Jüdin Meyer — vielleicht kennst Du sie noch als Deinen Flegeljahren, verzeihe mir diesen Jean-Paul'schen Ausdruck — und die andere ein Fräulein von Lehsten, Tochter des hiesigen Generals standen auf dem ^Kee in der Colonne neben einander, die letzte über der ersteren. Diese (die Meyer) hatte eine höhere Nummer, sie gab also bescheiden zu verstehen, daß ihr der höhere Platz gebühre. Die adliche Dame gab kurz zur Antwort: ich stehe hier nun einmahl und werde stehen bleiben. Diese kategorische Antwort, welche uns zu einem schönen Blick in die Zeiten des Faustrechts Gelegenheit geben kann, beleidigte die Tochter Israels, welche ihr Geschlechtsregister gewiß höher hinaufzuführen vermag, als jene. Sie kleidete ihr Mißfallen also in Worte, für deren Sanftheit ich nicht bürgen wollte, wenn ich die Juden nicht wegen ihrer unerschütterlichen Freundlichkeit haßte. Die andere, wahrscheinlich um sich mit einer solchen Kreatur, welche doch nicht satissaktionsfähig war — ich las wenigstens diese Replik in ihren Augen — nicht einzulassen ^), stellte sich neben sie und sagte mit einem Tone, der ihr schönes Gesicht zu einem häßlichen machte: Meinetwegen, ich bleibe ja doch was ich bin. Die bösen Spötter sprachen sogleich von einem Duell zwischen behden Damen, das Fräulein indeß, ebenso klug als Karl V., als ihn Franz I. zum Zwehkampf forderte, zog den Sieg der Uebermacht dem zweifelhaften Erfolge des Kampfes mit gleichen Waffen vor. Sie machte sich eine Parthey, welche Die Worte „nicht einzulassen" habe ich dem Sinne nach ergänzt; durch einen laxsus ealaini fehlen sie im Original.

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