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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 380

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Aus Briefen von und an Emil Schulze
Date
1890-01-01
Page
Seite 380 (sequence 3)
Language
German
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380 Miscellen. Ausbildung eine Reise durch Deutschland macht; daß der Fremde Katholik und Oesterreicher ist, hindert die rasche Annäherung nicht. Einige Jahre später erfährt Fritz von Bülow in Berlin, daß sein Bekannter vom Münsterschen Maskenball nicht Oesterreicher, sondern Preuße, nicht Cavalier, sondern Kaufmann, nicht adelig, sondern bürgerlich, nicht Vergnügungs-, sondern Handlungs-Reisender, nicht Katholik, sondern Jude war. (Die Bernard's gehörten damals zu den ausgebreitetsten jüdischen Familien in Berlin und Breslau.) Das ist zwar dem guten Fritz nicht angenehm, aber böse wird er auch nicht — im Gegentheil, er vergißt nicht, unter den Enschuldigungsgründen für den Windbeutel auch „das Vorurtheil gegen seine Nation" anzuführen! Daß es trotzdem bei diesen häufigen gesellschaftlichen Berührungen nicht an Conflicten zwischen Juden und Christen fehlte, braucht wohl kaum erst ausdrücklich gesagt zu werden, es war eben eine neue Erscheinung. In dem Briefwechsel sind uns drei solche Fälle aufbewahrt. Den interessantesten darunter vermag ich leider zunächst nicht in Schulze's sehr lebendiger und drastischer Darstellung mitzutheilen, weil das betreffende Schreiben mir nicht aus dem Archiv der Familie des Dichters, sondern aus der Mappe eines Autographen-Sammlers zugekommen ist, welcher — hoffen wir: vorläufig — nicht in den Abdruck zu willigen erklärt hat. In Kürze ist der Sachverhalt der folgende. Bei einem Hausball in Göttingen, der zu Ehren eines westphälischen Obersten, eines Franzosen von Geburt, gegeben wird, wird eine der anwesenden Damen, eine Jüdin, von einem hannoverschen Adeligen ohne jeden Anlaß schwer beleidigt. Der Oberst verlangt von dem Hausherrn die Entfernung des Ruhestörers, was dieser unterläßt, da der Landjunker nächst dem Obersten sein vonehmster Gast ist. Der Oberst wiederholt sein Verlangen, als auch dies fruchtlos bleibt, wirft er dem Junker halblaut eine schwere Beschimpfung ins Gesicht, reicht der jüdischen Dame den Arm und verläßt den Saal; die anwesenden westphälischen Officiere und Beamten folgen mit ihren Damen seinem Beispiel. Nun schildert der Briesschreiber die Stimmung der Zurückbleibenden; der Hausherr sucht seinem Unmuth über den Junker dadurch Luft zu machen, daß er sich ihm als Cartellträger anbietet. Dieser hat jedoch die Beschimpfung, da er des Französischen uur unvollkommen mächtig ist, entweder nicht verstanden oder will sie nicht verstanden haben; er thut plötzlich so, als ob er bis zur Bewußtlosigkeit betrunken wäre und torkelt hinaus. Schon daß Schulze diese Geschichte mit so ganz ungemeinem Behagen des Weiten und Breiten erzählt, läßt auf seinen Standpunkt schließen. In der That macht er sich zwar über alle handelnden Personen lustig — nur

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