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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 379

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Aus Briefen von und an Emil Schulze
Date
1890-01-01
Page
Seite 379 (sequence 2)
Language
German
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Miscellen. 379 apellationsgerichts-Raths. Beide verkehren, der Erstere in Celle nnd Göttingen, der Letztere in Münster, Cassel und Berlin, in den besten bürgerlichen Kreisen. Gleichwohl begegnen wir in den Berichten, die sie einander über ihren Verkehr und ihre gesellschaftlichen Vergnügungen (Thee- Abende, Hausbälle, Liebhaber-Theater u. s. w.) zukommen lassen, recht vielen jüdischen Namen, ein Beweis, daß die sociale Kluft in jener Zeit, der des westphälischen Regiments, eine viel geringere war, als — in späteren Zeiten. Da die Berichte und Namenslisten sehr ausführliche sind — Briefe von 20 Quartseiten und darüber sind die Regel — so läßt sich unschwer verfolgen, welche Kreise sich vornehmlich den Juden erschließen. Am häufigsten begegnen wir ihnen in den Gesellschaften, welche die Beamten der westphälischen Regierung geben, dann thut es zuweilen auch ein Anwalt oder ein Gelehrter dem Herrn Praefecten oder Unter-Praefecten nach — und zwar von 1807 ab von Jahr zu Jahr häufiger —, vergleichsweise sehr spärlich ist hingegen der Verkehr jüdischer Familien mit christlichen Kaufleuten. Dies Letztere gilt aber nur von Hannover; Bülow, der von 1807 ab in Berlin lebt, macht in allen Kreisen auch jüdische Bekanntschaften. Recht bezeichnend ist dabei folgendes, anscheinend rein äußerliche Detail. In den ersten Jahren wird immer etwa wie solgt erzählt: In der Gesellschaft waren Olbers, Dörrbecker, der Jude Meyer, mein Bruder August u. s. w., von Damen Julie von Lehsten, Minna Schlegel, die jüdische Mamsell Gans, Adelheid und Cäcilie Thchsen u. s. w. Das ist aber gewiß nicht böse gemeint und fließt nur eben, der Neuheit der Erscheinung wegen, gleichsam unwillkürlich aus der Feder. Dann wird der Beisatz immer seltener und kommt schließlich in Bülow's Briefen gar nicht mehr vor. Er hätte ihn auch von Berlin aus gar zu häufig schreiben müssen. Nicht blos Schulze und Bülow, sondern ihr ganzer Kreis sind bis 1813 sichtlich völlig vorurtheilslos gegen die Juden; auch darauf, wie aus den literarischen Geschmack und die Sitten überhaupt, wirkt offenbar das Beispiel der Franzosen mächtig ein. Der Kreis schwärmt für Wieland und Voltaire, ist liberal und kosmopolitisch und hat, wie sich Schulze einmal drastisch ausdrückt, „einen Ekel für die Politik". Nur Bülow macht durch seine Begeisterung für Goethe einerseits, sein starkes Nationalgefühl andererseits eine Ausnahme; er steht jedoch damit auch zunächst ganz allein. Wie vorurtheilslos aber auch er ist, mag folgender Zug beweisen. Er lernt 1806 zu Münster in Westphalen auf einer „Maskarade" einen jungen Cavalier, Herrn von Bernard kennen, der zum Vergnügen und zu seiner

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