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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 375

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Juden als Kirchen-Pächter
Date
1890-01-01
Page
Seite 375 (sequence 3)
Language
German
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Miscellen. 375 messer", mit welchen die Hörigen bewaffnet waren, aus dem Zarenreich gekommen zu sein, auch war der Führer des Aufstands, Genta, gewiß von persönlichen Rachegelüsten gegen seinen einstigen Herrn, den Wojewoden Potocki, geleitet — was aber den Aufstand so fürchterlich machte und die Wuth der Empörer gegen die Juden kehrte, war gewiß nur dieses entsetzliche Pachtsystem. In einem von I. Ch. Engel im 48. Bande von Baumgartens „Allgemeiner Welthistorie" (Halle, Gebauer 1796) S. 382 wiedergegebenen Berichte eines Augenzeugen, des Deutschen Hammard, findet sich eine sehr anschauliche Schilderung der grauenhaftesten dieser Vergeltungsthaten, des Kindermords zu Human. „Elstausend Flüchtlinge", erzählt er, „waren in Human, als Gonda') die Uebergabe zu fordern kam. Die Führer, die auf diesen Fall den Tod zu erwarten hatten, bestanden auf der Vertheidigung des Ortes; das Beste, was man thun konnte; der Rath, den ihnen ein Preußischer Officier, der eben auf Remonte stand, noch in dem Augenblick, als er von Gonda für sich und die Familie seines Wirths einen freien Abzug erhielt, gegeben hatte. Unglücklicher Weise ließ sich der leichtgläubige Commandant zu einer Capitulation verleiten, kraft welcher dem Gonda die Thore zum Durchmarsch sollten geöffnet, und die ganze Rotte mit Lebensmitteln und Branntwein verpflegt werden. Kaum hatte er das Thor geöffnet, so ward er mit seiner Familie ergriffen und auf dem Markte lebendig geschunden". Dann heißt es ferner: „Nun stürzten die Ungeheuer auf die von Juden und Geflüchteten vollgepfropften Straßen der Stadt und würgten von früh um 9 Uhr bis Nachmittags um 3 Uhr, wo ihr Anführer Gonda vor den Augen aller eine That verrichtete, die, bei dem hohen Grad von Grausamkeit, ebenso sehr den Schwärmer als den Unmenschen verräth, einer Hekatombe, bei welcher er die Stelle des Oberpriesters feierlich vertrat, gleicht und nächst dem Bethlehemitischen Kindermorde wohl gewiß die einzige in der Geschichte der Unmenschlichkeit ist. Alle noch übrigen Kinder vom Säugling bis zum 4.—5. Jahre waren auf Befehl des Gonda vor dem Rathhause, von dessen Altar, der sein Opferaltar wurde, er das Niedermetzeln übersah, zusammengetrieben und zum letzten Act des Trauerspiels aufbehalten worden. Auf ein gegebenes Zeichen wurden gegen 1000 unschuldige Schlachtopfer, denen man die Beine gebunden hatte, zu 3 und 4 an eine Stange gehängt und der Härte des Gonda übergeben, der mit einem Messer einem nach dem andern die Kehle abschnitt und dann das blutende ') So schreibt Hammard den Namen. In allen anderen Quellen lautet derselbe „Gonta".

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