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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 363

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 363 (sequence 45)
Language
German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Z63 die Gerichteten in Hast zu bringen^). Dazu fehlte ihm aber der Muth. Noch hatte Fettmilch zahlreiche Anhänger unter der Menge 2) und nur mit Mühe konnte der Rath den Herold vor ihren Mißhandlungen retten. Selbst das Achtsmandat öffentlich anzuschlagen wagte er nicht, trotzdem dies der Kaiser ausdrücklich verlangt hatte. Mit dem Muthe der Verzweiflung suchten die Häupter der Bewegung das immer näher heranschreitende Berhängniß von sich abzuwehren: der Terrorismus, welchen sie ausübten, machte geraume Zeit die Achtserklärung illusorisch; er hatte sogar in diesen Tagen noch einen Erfolg zu verzeichnen, Weitz' Wahl zum Schultheißen der Stadt, die aber sofort von den Commissarien kasfirt wurde ^). Diese griffen nun zu schärferen Maßregeln. Diejenigen Frankfurter Bürger, welche sich außerhalb der Stadt ohne Paritionsschein betreffen ließen, wurden festgenommen ^); sodann erhielten am 24. October die Zünfte und Gesellschaften die kategorische Aufforderung, sich dem kaiserlichen Befehl zu unterwerfen, widrigenfalls sie gleichfalls in die Acht erklärt würden Endlich verstanden sie sich zur Parition. Eine Zunft nach der anderen wandte sich von den Häuptern des Ausstandes ab, so daß diese schließlich ganz isolirt waren; aber noch lange wagte Niemand, sie festzunehmen. Daher ward es als Beweis eines ungewöhnlichen Muthes angesehen, als endlich am 24. November ein Mitglied des Rathes den Antrag stellte, Fettmilch zu verhaften. Drei Tage darauf unternahm dies auch wirklich ein anderes Rathsmitglied, Hans Martin Baur^). Von einigen beherzten Männern begleitet, drang er in das Wirthshaus von Stauch ein, woselbst Fettmilch mit einigen seiner Genossen zechte, und umschlang ihn mit beiden Armen, sodaß er ein „gespanntes geladenes Röhrlein" (Pistole), welches er bereits aus der Tasche gezogen hatte, nicht auf ihn abdrücken konnte. Fettmilch mußte sich nun ergeben und wurde in den Bornheimer Thurm gebracht. Doch ward er bald von dem sich inzwischen zusammenrottenden Volke wieder befreit und in seine Behausung geleitet. Dort fanden sich ») 0. N. IV, S. 274. 2) Als der Herold die Achtserklärung verlas, zog Fettmilch seinen Schadlosbries hervor und fragte die Menge, ob sie ihn schützen wolle, worauf sie ihm mit „Ja" zuriefen (Kais. Com. Bd. 24). 2) 1. e. 4) Bis Ende October 1614 wurden 20 Bürger allein im Darmstädtischen Gebiet festgenommen (s. Kais. Com. Bd. 25). 5) Diarium, kistorieum S. 284. 1. e. 294/5. ') Ueber ihn s. den Aussatz von Steitz in Mitt. des Vereins für Gesch. u. s. w. I) S. 27 ff.

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