Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 362

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 362 (sequence 44)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259328-2264757--1778-2264821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

362 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmttch'fchen Aufstand 1612-1618. den Supplicanten bliebe es anheimgestellt, die Untersuchung für sich selbst, ohne Bemühungen der Obrigkeit vorzunehmen ^). Die Commissarien ließen Rath und Zünfte nicht lange in Ungewißheit, welche Auffassung sie von den Vorgängen in der Stadt, über die sie jetzt durch die Subdelegirten zur Genüge unterrichtet worden waren, gewonnen hatten. Sie beschuldigten nicht allein die Gesellen, sondern „deren Meister sowie den größeren Theil der Bürgerschaft, besonders die Zünfte, somit etlichem Gesindel die Gasse feindselig und friedbrüchiger Weise überfallen, Thür und Thor, Kisten und Kasten zerschlagen zu haben u. s. w. Deswegen behielten sie sich noch alle gebührende Ahndungsmittel vor; auch der Kaiser werde schon, was sein Amt erfordere, gegen sie in Acht zu nehmen wissen"-). Die Erbitterung der Commissarien gegen die Bürgerschaft war durch eine weitere Maßregel des Ausschusses, welche den Schlußstein der revolutionären Bestrebungen bildet, noch mehr gesteigert worden. Trotzdem der Kaiser ausdrücklich befohlen hatte, die alten Rathsherrn wieder einzusetzen, wählte Ende August der Ausschuß auf Fettmilchs und Weitz' Drängen an deren Statt 23 neue Rathe („Jnterimsräthe") und zwang die Bürgerschaft am 5. September, ihnen den Eid des Gehorsams zu leisten 3). Die Geduld des Kaisers war endlich erschöpft. Alle seine Ermahnungen und Erlasse hatten bisher nicht die geringste Beachtung gefunden; so beschloß er nuu, mit unnachsichtiger Strenge vorzugehen. Am 25. August 4. September neuen Stiles), also noch bevor er die Nachricht von der Vertreibung der Juden und der Wahl neuer Rathsherrn erhalten konnte, that er Bincenz Fettmilch, Konrad Gerngroß und Konrad Schopp „wegen viel angeregter freffentlicher Anmaßung, verübten Ungehorsams und beharrlicher Widersetzlichkeit in die Reichsacht; sie sollte auch diejenigen treffen, welche ihnen Vorschub, Beifall, Beherbergung, Unterschleif und Aufenthalt geben würden!"^) Am 28. September verlas ein kaiserlicher Herold diese Achtserklärung öffentlich in Frankfurt; tags daraus befahlen die Commissarien dem Rath, ') Brgun. 1. e. 45. 2) Diarium kistoricum S. 266—268; Bd. 14, 62 und 63. Der Rath bat, die Anschlagung dieses RescripLes Vis zur Beendigung der Messe verschieben zu dürfen (!. e. 88); später wollte er es nicht publiciren aus Furcht vor Fettmilch. I. e. 90, Diarium kistorieuiu S. 264. 1. c. S. 271—273.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.