Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 46)
- Language
- German
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364 Kracauer: Die Juden Frankfurts im FeLtmilch'schen Aufstand 1612—1618. einige seiner ergebensten Anhänger ein, verbarricadirten das Haus und setzten es in Verteidigungszustand, wie Leute, die entschlossen sind, ihr Leben möglichst theuer zu verkaufen. Doch als sie eine Schaar Bürger unter Baurs Führung heranrücken sahen, gaben sie jeden Widerstand auf und öffneten das Haus. Fettmilch und seine Genossen wurden nunmehr in das Gesängniß an der Katharinenpforte gebracht und unter den größten Vorsichtsmaßregeln bewacht t). Nur wenige Tage blieben sie dort, da man wiederum Befreiungsversuche von feiten des P'öbels befürchtete. Am 2. December führte man sie unter starker Bedeckung an den Main und lieferte sie am jenseitigen Ufer den Bevollmächtigten des Erz^ bischofs von Mainz aus, welche sie in Fesseln nach Höchst und von da nach Aschaffenburg brachten-). Dort blieben sie bis zur Beendigung der gerichtlichen Untersuchung. Mit der Gefangennahme Fettmilchs und seiner Genossen, darunter auch Weitz, kehrte die Ruhe allmählich in das zerrüttete Gemeinwesen zurück. Der alte Rath nahm die ihm entglittenen Zügel des Regiments wieder in seine Hand und zog sie immer straffer an; der frühere Trotz der Menge war mit einem Mal verschwunden; in Furcht gesetzt durch noch weitere Achtserklärungen und Verhaftungen ^) flüchteten entweder die Häupter des Aufstandes oder baten demüthig den Rath um Verzeihung. Die Jnterimsräthe traten von ihrem Amte zurück. Mit größter Spannung hatten die Juden die einzelnen Stadien der Bewegung von dem Tage ihrer Vertreibung bis zur Festnahme Fettmilchs verfolgt. Doch ihre Hoffnung, nunmehr wieder in die Stadt zurückkehren zu dürfen, sollte sich nicht so bald erfüllen. Das Jahr 1614 verstrich, und noch hatte sich keine Hand erhoben, sie nach Frankfurt zurückzubringen. Die Bürger waren überhaupt der Ansicht, daß die Gasse in Zukunft nicht mehr von Juden bewohnt werden würde. Sie begannen daher die Häuser abzubrechen und das dadurch gewonnene Material für ihre Zwecke zu verwenden. Die städtischen Bauherrn beantragten sogar, durch Niederlegung von Häusern einen Durchgang zur Allerheiligengasse zu eröffnen^). Erst!) Diarium kiZtorieum S. 295. 2) 1. e. S. 296. 2) Bereits am 29. IX. 1614 hatte Mathias den Commissarien angezeigt, daß alle Handwerker, welche geplündert oder den Ehrenschein von den Subdelegirten erpreßt hätten, bestraft und die Rädelsführer hingerichtet werden sollten (Kais. Com. Bd. 24). 4) Brgun. Bd. 15, 116.