Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 42)
- Language
- German
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360 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. kaiserlichen Willen. Mittwoch den 24. August ermannte er sich zu einem Entschluß: er ließ auf den Zunftstuben ausrufen, ein jeder solle sein Gesinde anhalten, das Geraubte im Römer einer dazu besonders ernannten Commission abzuliefernGegen diesen Beschluß lehnten sich einige Zünfte, so die Seiler, Hutmacher und Bürstenbinder auf, während die verschiedenen Gesellschaften ihre Zustimmung gaben. Zugleich verbot der Rath, das den Juden Entwendete zu kaufen oder zu verkaufen und ohne besondere Erlaubniß die Gasse zu betretenAuch ließ er eine bildliche Darstellung von der Plünderung der Gasse confisciren ^). Dieses Vorgehen, hoffte er, würde auf die Commissarien einen guten Eindruck machen und sie davon überzeugen, daß er es wenigstens nie an gutem Willen habe fehlen lassen. Die Commissarien befanden sich damals in Aschaffenburg; Mittwoch Abend kam ihnen die Nachricht von der Erstürmung der Judengasse und der Gefangenhaltung der Subdelegirten zu. Doch Näheres hierüber erfuhren sie erst durch diese selbst, deren Bericht ^) mit der dringenden Bitte schloß, das Schreiben an die Zünfte mild und möglichst zu der Bürgerschaft eontento abzufassen, da sonst ihr Leben gefährdet sei. Der Ausschuß gestattete jetzt den Subdelegirten etwas freiere Bewegung und entfernte die Wache von ihrer Wohnung, doch wurden sie noch immer von bewaffneten Bürgern auf Schritt und Tritt begleitet; auch drohte man, sie nicht eher abreisen zu lassen, als bis sie auf alle Forderungen eingegangen wären. Diese lauteten folgendermaßen: „Die Subdelegirten sollen den Rath ermahnen, die im Abschied verglichenen Punkte in guter Obacht zu halten, desgleichen den Patriciern einschärfen, sich des Stolzes und des Uebermuthes zu enthalten, vor allem aber die der Plünderung verdächtigten Handwerker durch unzeitiges Vorfordern nicht noch mehr aufwecken, sondern sie ungeirrt an ihrer Arbeit lassen. Außerdem sollten sie die Juden verwarnen, sich gegen die -) Brgun. Bd. 22 Nr. 222, Brgm. 25. VIII. 1614. -) I. e. 30. VIII. Wir erfahren hierbei, daß noch immer in der Gasse geplündert wurde. 2) 1. e. 15. IX., doch s. Anhang No. II. 4) Kais. Com. lora. 20. In ihm heißt es: „Es ist das Unwesen allhie so beschaffen, daß es ärger nicht sein kann zur höchsten Verkleinerung und Schmach des Kaisers und der Commissarien und aller obrigkeitlichen Verfassung, dabei denn die höchste Unsicherheit aller vermöglichen und ehrliebenden Leute geistlichen und weltlichen Standes, Inländischer und Fremder an Leib und Gut öffentlich erscheint . . . Aller Gehorsam und Respect ist erloschen und dessen schier kein Stein mehr vorhanden" u. s. w.