Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 41)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'fcheu Aufstand 1612 -1618. 359 daran. Ueberall außerhalb des Frankfurter Gebietes fanden sie menschenfreundliche Ausnahme. „Als I^AllesZ was mir swir^ thaten an sie begehren, an die Fürsten und auch Herren, unser Gebet thaten sie gewehren..... Mit aller großen Demüthigkeit haben sie uns alls guts vergolten, zu aller Begehrung seyn sie uns gewest bereit; wir thaten wohnen, wo wir wollten", heißt es im Vincenzliede Der Pöbel begab sich, nachdem die Gasse von den Juden geräumt war, auf den Friedhof, wo er alle die Gesetzesrollen, deren er noch habhaft werden konnte, zerriß. Den nach dem jüdischen Gesetz daselbst weidenden Ochsen ließ er schlachten und einem Wirthe übergeben, welcher jedem seiner Gäste ein Stück vorsetzen sollteDen Friedhof beabsichtigte man zu applaniren und ein Schießhaus und eine Kegelbahn auf ihm zu errichten, das jüdische Tanzhaus in eine Trinkstube umzuwandeln^). Wem die Häuser in der Gasse zufallen sollten, wollte man durchs Los entscheiden. Die in der Gasse vom Rathe postirte Wache waltete sehr schlecht ihres Amtes. Sie ließ in den folgenden Tagen noch manchen in die Häuser eindringen und nach Beute suchen, ja sie war zum Theil so pflichtvergessen, sich selbst am Raube zu betheiligen. Die Verluste der Juden erfahren wir genau aus der detaillirten Aufstellung, welche sie später den Commissarien einreichten Manche verloren wohl ihr ganzes Vermögen. Der Verlust an „Kirchengeschmeide" und Pergamentbüchern allein ward auf 5000 Gulden taxirt. Einige der Bücher übersandte der Rath dem Landgrafen Ludwig von Hessen mit der Bitte, den bereits erwähnten Professor Helvikus (Helwig) aus Gießen nach Frankfurt zu schicken, „daß er sie durchsehen und vernehmen möge, ob etwas darinnen sehe, welches dem Christenthum zu nutz und zur besseren Unterrichtung solcher verstockten Leute dienen könne" ^). Der Landgraf willfahrte der Bitte. Helvikus kam nach Frankfurt und hielt sich daselbst geraume Zeit auf, „wo er den Juden recht in Charte gegucket". Leider starb er 1617, ohne sein Gutachten über die Schriften beendigt zu haben ^). Auf die beiden Tage des Rausches folgte rasch die Ernüchterung. Dem Rath bangte vor den Folgen der frevelhaften Auflehnung gegen den ') Strophe 58, 59—61. -) I. e. 56. ->) I. e. 57. 4) S. S. 178. Schudt, 1. e. S. 68. ') I. e. und S. 69.