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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 358

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 358 (sequence 40)
Language
German
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358 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. pförtchen an den Main. Den Rest ihrer Habe, für die sie noch einen ungewöhnlich hohen Ausfuhrzoll zahlen mußten, trugen sie entweder selbst dahin oder ließen ihn durch Christen für reichlichen Lohn hinschaffen. Vieles gaben sie auch befreundeten Christen zur einstweiligen Aufbewahrung. Auch dieses zeigt uns, daß die Juden keineswegs so allgemein bei der Bevölkerung verhaßt waren, wie uns die Supplicationen des Ausschusses glauben machen wollen. Mit gemischten Gefühlen verließen sie die Stadt, in welcher sie seit den Zeiten Karls IV. fast ohne jede Anfechtung gelebt hatten. Wohl waren sie froh, sich und die Ihrigen vom Verderben gerettet zu sehend), doch schmerzte sie der Abschied von den Stätten, wo die Gebeine ihrer Angehörigen ruhten. Auch hatten sie den Verlust ihres Vermögens und ihrer heiligen Schriften zu beklagen. Am Main angelangt, trennten sie sich. Einige wanderten zu Fuß aus dem Gebiete von Frankfurt, andere fuhren mainaufwärts nach Offenbach ur.d Hanau, wieder andere mainabwärts nach Höchst. Nicht ohne Zagen bestiegen sie die Nachen; denn auf der Mainbrücke hatte sich viele Neugierige versammelt, von denen manche mit Schießwaffen versehen waren. Sie fürchteten nun, daß auf sie geschossen würde, wie dies auch in der That in Offenbach geschaht). Uebrigens verließen noch nicht alle Juden an diesem Tage die Stadt. Einzelne, welche bei Christen Unterschlupf gefunden hatten, wagten sich am zweiten und dritten Tage hervor und begaben sich in die Gasse, um nach ihrem Besitzthum zu sehen und zu retten, was noch zu retten war. Noch bis in den September finden wir vereinzelt Juden in Frankfurt; aber auch diese begaben sich endlich weg^). Zwar hatte Fettmilch die benachbarten Orte ersuchen lassen, die ausgewanderten Juden nicht bei sich aufzunehmen, doch kehrte man sich nicht ') 0. n. I, 14. -) Vinc. Strophe 51. s) I. c. 53. 4) Die Vertreibung der Juden aus Frankfurt äußerte bald ihre Rückwirkung auf die Judenschaft in Worms. Auch dort erhoben sich unter ganz ähnlichen Verhältnissen die Zünfte unter Führung des Advokaten Chemnitz (^newnitius) gegen Rath und Juden und vertrieben sie am 20. April 1615. Der Erzbischof von Mainz und der Landgraf von Hessen nahmen sich auch bei dieser Gelegenheit der Unglücklichen an; schon am 19. Januar 1616 erfolgte auf kaiserlichen Befehl durch den Psalzgrafen und den Bischof von Speyer ihre Zurücksührung nach Worms (S. Graetz Gesch. Bd. 10 S. 34 und die in der Anmerkung daselbst citirten Werke). Unser Actenmaterial gedenkt der Wirreu iu Worms kaum ein oder zwei Mal.

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