Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 38)
- Language
- German
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356 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. aus den heiligen Büchern der Juden verstreut umherliegen, manche der Pergamente bereits in halbverkehltem Zustand, da sie zur Unterhaltung der nächtlichen Feuer gedient hatten. In der Gasse konnte man nur mit Mühe vorwärts kommen, so sehr war sie durch Karren, Schleifen, Wagen u. s. w. versperrt; noch am frühen Morgen hatten sich viele der ärmeren Bürger, von Weib und Kind begleitet, mit Säcken, Wagen und Karren aufgemacht, um Nachlese zu haltenKaum aber zeigte sich Köhler mit seiner Schar, da veränderte sich die Scenerie mit einem Schlage. Der Pöbel leistete nicht den geringsten Widerstand, als er sich der bewaffneten Macht gegenüber sah, und räumte gutwillig den Schauplatz. So war die Gasse, nachdem die Plünderung 13 Stunden gewährt hatte, gesäubert — ein genügender Beweis dafür, daß, wenn die Obrigkeit gleich von vornherein die n'öthige Energie entwickelt hätte und nicht so kopflos und schwach gewesen wäre, sie die Beraubung der Juden im Keime hätte unterdrücken können 2). Im übrigen traf der Rath keine weiteren Anstalten zum Schutze der Juden, außer daß er, da um Mittag wiederum ein Pöbelhause in die Gasse eindrang, eine Wache daselbst zurückließ. Die Juden waren somit vollständig Feitmilchs Willkür preisgegeben. Er und Kantor hatten inzwischen alle diejenigen, welche sie in der Stadt aufgespürt hatten, zu einem Haufen vereinigt und diesen, „wie das Vieh"^) vor sich her auf den Friedhof zu den anderen Juden getrieben, die in größter Angst die Nacht daselbst zugebracht hatten. Fettmilch begab sich nun mit den Häuptern des Ausschusses und einer Menge bewaffneten Volkes nach dem Friedhof, welchen er mit Wachen umgeben hatte, die den strengen Befehl hatten, niemand herauszulassen. Höhnisch hatte er die Juden, als sie ihn fragten, ob sie ihres Lebens sicher wären, an die Subdelegirten gewiesen Doch diese waren durch Kantor völlig eingeschüchtert worden, welcher die Frechheit hatte, sie sür die Plünderung verantwortlich zu machen; er log ihnen vor, daß sich in der Frühe des 23. einige hundert Bürger mit voller Waffenrüstung unter Führung der Zunftmeister auf dem Römer versammelt hätten, offenbar in der Ab> ficht, wenn die Juden nicht gutwillig abzögen, sich auf sie zu stürzen und ein Blutbad unter ihnen anzurichten ^). So waren die letzteren auf das ') O. N. IV, 71, Schudt Theil II S. 63 und 66. 2) c. n. 1,13. 3) Dies betonen auch die Subdelegirten in ihrem Bericht au die Commissarien. 4) „wie die Len6M08" Vinc. Strophe 42. ') Kais. Com. Bd. 33. 5) 1. c. Bd. 34.