Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 37)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Z55 ihnen in kurzer Zeit zu wohlhabenden Leuten gemacht hatte. Sie verehrte Fettmilch ein Fuder des den Juden gestohlenen Weines ^). An der Plünderung betheiligten sich sowohl Einheimische, als auch Fremde, besonders Handwerksgesellen. Die Zimmerleute, Bäcker, Schnürmacher, Schneider, Bender stellten dazu das stärkste Kontingent 2). Viele derselben machten eine höchst ansehnliche Beute; bei einigen ward sie bis auf 1400 Gulden angegeben, bei anderen hieß es später, wenn sie nicht die Gasse gehabt hätten, so würden „sie ihr Haus nicht haben bauen können". Die Plünderung dauerte ungestört bis zum nächsten Tage fort; ruhig schaute der Rath dem wüsten Treiben der Menge zu. Der Ausschuß hatte zwar eine Wache vor die Thore oer Gasse postirt, aber diese bestand aus den radikalsten Elementen, welche sich sofort über den Wein der Juden herstürzte und gemeinsame Sache mit den Plünderern machte. Bei schwerer Strafe hatte Fettmilch den Bürgern verboten, den Juden Schutz in ihren Wohnungen zu gewähren, was freilich, wie bereits erwähnt, nicht überall beachtet wurde. Endlich rafften sich am späten Vormittag des nächsten Tages die friedliebenden Elemente der Bürgerschaft aus ihrer Passivität auf. Sie fürchteten, daß die einmal entfesselte Habgier nicht bei den Juden Halt machen, sondern sich auch auf das Besitzthum der Christen werfen würde. Aus Besorgnis davor hatten viele der Reichsten beim Ausbruch des Sturmes sofort Frankfurt verlassen und sich in die benachbarten Städte geflüchtet ^); denn schon hörte man vereinzelt den Ruf, man solle auch über diejenigen Bürger und Kaufleute herfallen, welche parirt hätten^). So sammelten sich die Beherzteren unter den Bürgern wohl bewaffnet und zum Theil zu Pferde um den jüngeren Bürgermeister Köhlers. Als sie in die Gasse einrückten, fanden sie überall Blätter und Pergamente!) Diarium kiLtorieuw III. 2. Fettmilch selbst bekannte im Verhöre, (Kais. Com. Bd. 55) eine Kiste mit Zinn nebst 4 Betten aus der Iudengasse bekommen zu haben, ferner eine Bettlade und einen Tisch. Ein anderes Bett habe ihm ein Jude „aus gutem Herzeu" geschenkt. Auch gestand er, von ihnen „Verehrungen" angenommen zu haben gegen das Versprechen, ihre Häuser vor Plünderung zu schützen. 2) S. I'om. II H.et. 108: Berzeichniß der Personen, welche bei der Plünderung in der Iudengasse gewesen, was sie daselbst verrichtet u. s. w. viai'ilim klstorieum S. 261. ^) S. Kais. Com. 1om. 20. Schreiben der Subdelegirten an die Commissarieu vom 24. VIII. 1614. ') Es ist ein Irrthum, wenn Kriegk (S. 347) schreibt, daß schon gegen Mitternacht die Plünderer aus der Gasse herausgetrieben wurden-