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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 354

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 354 (sequence 36)
Language
German
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Z54 Kraeauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch','chen Aufstand 1612—1618. dern zu zerstören. Sie warfen die Fenster ein und demolirten nach Kräften die Häuser Andrerseits darf auch nicht verschwiegen werden, daß eine nicht geringe Anzahl von Christen in der Absicht in die Gasse ging, um die Habe der ihnen befreundeten Juden den begehrlichen Griffen des Pöbels zu entziehen und sie so lange in ihrer eigenen Wohnung zu verwahren, bis sie von den Eigentümern reclamirt wurde 2). Andere Bürger jagten ihre Dienstboten, welche sich an der Plünderung betheiligt hatten, sofort aus dem Dienste, nahmen ihnen wohl auch den Raub weg und schafften ihn in den Römer, von wo ihn später die Juden zurückerhielten. Am schmerzlichsten war denselben das Wüthen gegen die heiligen Schriften. Viele davon wurden in einem mächtigen Feuer verbrannt, über welchem man das den Juden geraubte Fleisch briet ^); die Pergamente dagegen überließ man den Buchbindern. Auch die Synagoge blieb nicht verschont. Der Schrank, in dem die Thorarollen verwahrt lagen, wurde auf die gemeinste Weise besudelt und verunreinigt^). Am habgierigsten zeigten sich die Häupter des Aufstandes selbst, vor allem Fettmilch. Einem Weißbinder entriß er ein kostbares, mit Gold und Silber beschlagenes Buch und nahm es an sich 5). Er scheint förmlich Leute gemiethet zu haben, die den Raub aus den Judenhäusern in seine Wohnung tragen sollten. Aus den späteren Verhören erfahren wir, daß z. B. eine Frau einen ganzen Tag aus der Gasse so viel in sein Haus getragen habe, „daß sie manchmal nicht zur Thüre hatte hineinkommen können ^), während ein anderer auf einer Schleife viele Habe zu Fettmilch fuhr"^). Seine Frau und Kinder, besonders eine Tochter, betheiligten sich ebenfalls rege an der Plünderung^). Auch sein und Sauers Gesinde blieben hinter ihren Dienstgebern nicht zurück. „Sie ließen sich tapfer in der Gasse gebrauchen und trugen greulich viel heraus" ^). Die Menge erwies sich erkenntlich gegen den Mann, der viele von!) c. n. 1, 181. 2) S.?08ik 0M65 S. 119 z. 953. 3) Vinc. Strophe 32; ^08ik Ome? I. c. 4) Vinc. Strophe 38. 5) e. I, 32. I. c. IV, 17. -) I. e. 1. e. y j. e.

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