Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2259275-2259324-2259328-2264757--1769-2264812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kcacaner: Die Juden Frankfurts im Feitmilch'schen Ausstand 1612—1618. Z53 Mitten unter den Eingedrungenen befand sich Fettmilch „mit seinem Regimentsstab" und feuerte sie zu Gewaltthaten an. Einige Bürger, welche sich der Juden annahmen und zum Frieden mahnten, wurden mit Drohungen und Schmähungen überhäuft; ja Fettmilch forderte gradezu, daß man auf sie dreinschlagen solle'). Als die Juden einen Theil ihrer Widersacher mit Feuerwaffen ausgerüstet sahen, erkannten sie das Vergebliche des Widerstandes und flohen theils in ihre Häuser, theils auf den Friedhof, wohin sie bereits in aller Eile das Werthvollste ihrer Habe gerettet hatten. Den Friedhos griff die Menge nicht an; es dürstete sie ja viel weniger nach Kampf als nach Beute. Sie löste sich bald in eine Reihe kleinerer Abtheilungen auf, die sich in die einzelnen Häuser der Juden zerstreuten und sich dort ungezügelt ihrer Zerstörungs- und Plünderungswuth Hingaben. Von allen Seiten erscholl jetzt der Ruf: Man hat uns die Judengasse preisgegeben? Mit Brecheisen und Aexten wurden die Thüren der Häuser und Stuben eingeschlagen, Kisten und Truhen erbrochen und ihres Inhalts beraubt. Viele waren so umsichtig gewesen und hatten sich Wagen und Karren verschafft, um die Beute schneller und bequemer fortschaffen zu können. Den habgierigen Blicken der Plünderer entging selbst der unbedeutendste Gegenstand nicht. Hühner und Gänse, Bratspieße, sogar Mistgabeln wurden nicht verschmäht 2). Viele Hausfrauen thaten sich besonders dabei hervor ^). Sämmtliches Hausgeräth, besonders die zinnernen Gefäße, sowie das Bettzeug wurde mitgenommen; von mancher christlichen Hausfrau hieß es später, „sie habe ihre Stube wohl mit Zinn staffirt" ^). Eine besondere Anziehungskraft übten die eisernen Kästen aus. Sie wurden erbrochen und zertrümmert, und nun suchten die Schuldner nach ihren Handschriften, Verschreibungen und Pfändern, oder zwangen die Juden, die sie noch in den Häusern antrafen, unter Drohungen, sie herauszugeben^). Was man nicht mitnehmen konnte, wurde zerstört oder unbrauchbar gemacht b), Kachelöfen und Thüren und Wände wurden eingeschlagen, Schmalz auf die Dielen gegossen, Mehl darüber gestreut und auf demselben herumgetreten. Viele waren auch in die Gasse gedrungen, nicht um zu rauben, sont) e. n. IV, 66 und 69; Brgun. low. 23, 43 ff. e. n. II, 1. 5) e. n. I, 99. 4) 1. e. 63. 5) I. e. IV, 71. e) Vinc. Strophe 19. 23*