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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 3 · p. Seite 352

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 3
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 352 (sequence 34)
Language
German
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352 Kracaucr: Die Inden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Es war bereits 10 Uhr Abends geworden, und noch immer widerstanden die Juden. Die Ungeduld der tobenden Menge stieg immer mehr. Schon wollte Fettmilch von den Wällen aus die Gasse mit zwei scharf geladenen Geschützen beschießen lassen, da war es einigen gelungen, mit Umgehung des Thores in die Gasse einzudringen. Einige Zimmerleute schlugen nämlich die Wände eines dicht an der Pforte befindlichen Hauses, welches aus Fachwerk und Lehm ausgeführt war, ein, und durch die so entstandene Oeffnung drang ein Haufe in die Gasse. Die Juden wandten sich jetzt von der Pforte zu dem bedrohten Punkte; da kamen ihnen schon die Eingedrungenen entgegen und forderten sie auf, die Waffen niederzulegen; sie seien zu dem Zweck erschienen, sie mit eigener Lebensgefahr zu schützen. Die Inden schenkten diesen Worten Glauben und räumten ihnen das Feld. Sofort eilte der zum Theil mit Musketen bewaffnete Haufe an das Thor, entfernte die Fässer, Steine u. s. w. und feuerte einen Signalschuß für die draußen Wartenden ab, der sofort erwidert ward. Nunmehr ergoß sich die beutelustige Menge durch das geöffnete Thor in die Gasse. Doch nicht ohne Kampf räumten die Juden ihre Stellung. Mit ihren Schwertern und Hellebarden verwundeten sie manchen ihrer Gegner und tödteten sogar einenwährend auf ihrer Seite zwei fielen ^). Die näheren Einzelheiten von der Plünderung der Gasse erfahren wir 1) aus dem Vincenzliede, 2)'aus 1om. 22 des Bürgerunwesens: Die Aussagen der später gefänglich eingezogenen Plünderer, 3) aus 4 Actenbündeln betitelt: LpoZrjrter «Iuä6iiSa.8s Protocoll vom 6. 7. 8. 10. 11. 13. und 18. Mai 1616. Die Bündel enthalten 196 zum Theil unbeschriebene Folioseiten und sind signirt 0(6?) 551 —N 4, 4) aus dem jüdischen Bericht an die Commissarien datirt vom 6. IV. in Bd. 22 der Kais. Commissionsacten, 5) aus dem Bericht des Nereurs k'ran^ais, mitgetheilt von Creizenach in den Mittheilungen d. Vereins f. Gesch. und Altert. Bd. I S. 34 ff. Fettmilch heißt hier ^itmile; Adolf Kantor H.äolte 16 ekantrs. Dagegen ist ein gleichzeitiges fliegendes Blatt: „Warhafftige newe Zeitung auß der Statt Franckfurt am Mayn, was sich mit Bürgern, Handtwercks Gesellen, Herren Commissarien, auch mit den Juden verlausten vnd zugetragen hat, wie der Tumult vnd Lermen angangen, auch wie sie die Juden gestürmet haben. Den 22. Augusti dieses Jahrs. Gedruckt Im Jahr 1614 (4'/., Seiten)" ohne jeden Belang. Der Verfasser des Blattes berichtet nur von Hörensagen. Nach ihm soll die Zahl der Stürmenden 4000 gewesen sein. Auch die jüdische Chronik NOL (Teil II. S. 66 a Jahr 1613. und 66 d) — abgesehen davon, daß sie das so werthvolle Vincenzlied bringt — sowie die Chroniken von Gottfried (Theil I S. 1136 und 1141—1143 und 1148—1149) und Lersner (Theil I, 392 und Theil II. 511—516) bieten über die Erstürmung der Gasse sowie über den Ausstand überhaupt nichts Neues. Einzelne interessante Notizen enthält Peter Müllers Chronik aus den Jahren 1573—1633 im Arch. für Frk. Gesch. N. F. Bd. II, S. 24 ff. ') 0. N. I, 45 und 85. -) DaS Vincenzlied erwähnt nur einen erschossenen, dagegen mehrere schwer verwundete (Strophe 29).

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